"Oh, du kommst zu spät zur Verabredung. Der Tee ist schon längst kalt. Die Zeit rennt uns davon. Bald kommt der Wind. Du weißt was das heißt?" Während der komische Kauz sprach, moderte die Uhr immer mehr und ließ nichts als schwarzen Staub zurück. - Was löst der Text bei dir aus? Deine Fortsetzung?

Nivea-los
Lachend griff sie nach der Tasse und taxierte den Kauz mit einem kalten Blick. „Und? Ich mag Eistee. Über die Jahre habe ich mich an ihn gewöhnt.“ Sie nippte und stellte die Tasse fast geräuschlos zurück. „Weißt du,“ fuhr sie in einem milderen Ton fort, „irgendwann hört man auf zu rennen. Irgendwann ereilt einem bei all dem Hetzen die Erkenntnis, dass man Zeit nicht fangen kann. Sie kommt und geht und verweilt stets nur für einen winzigen Augenblick.“ Sie setzte sich auf und griff nach dem schwarzen Mantel, der über der Stuhllehne hing. „Ich komme nicht zu spät zur Verabredung“, erklärte sie ruhig, während sie in die Ärmel schlüpfte und die silbernen Knöpfe schloss. „Seit Tagen rede ich mit mir alleine. Und warte. Geantwortet hat nur Stille.“
„Der Wind soll also kommen?“, fragte der Kauz erstaunt.
Sie ging zur Tür und griff nach dem Regenschirm.
„Nicht soll“, verneinte sie traurig, „er wird. Mir bleibt nur, die Tür zu schließen.“
Als sie in der Dunkelheit verschwand, folgten ihr zwei leuchtend gelbe Augen. Augen, die von Federn umsäumt durch ein Fenster hinaus in die Freiheit blickten. Augen, die von Kummer sprachen. Und von Angst.

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