Teile doch bitte eine beliebige Erinnerung mit uns!

jupiteruntergang

Ich erinnere mich sehr gerne an die einzige Sommerromanze, die ich je hatte. Und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo ich anfangen soll. Ich denke gerne an den Moment, an dem wir uns zum ersten Mal so richtig unterhielten. Wir kannten uns vorher schon, aber bloß flüchtig. Wir waren in einer Art Irrgarten, der mit bunten, ineinander verlaufenden Lichtern versehen war. Nachdem wir einigen Quatsch machten und Ärger bekamen, machten wir es uns gemütlich und redeten und ich wusste sehr genau, dass diese Person wenig von mir weiß und von vielen Dingen fälschlicherweise ausgeht. Da räumte ich direkt auf und fand das Staunen unheimlich amüsant. Es war ein schöner Nachmittag, der aus zwei Fremden zwei Menschen machte, die sich leiden können. Von dieser Erinnerung springe ich gerne zu weiteren Momenten, in denen wir dummes Zeug machten, sodass andere Leute nur kopfschüttelnd dastehen konnten und manche uns später um etwas mehr Disziplin bitten mussten. Weil wir Büromöbel mit Rädern schnell anschoben und darauf sprangen und lachend durch die Gänge fuhren. Weil wir ein dämliches Ballspiel spielten, bei welchem man jemanden hauen muss, sobald der Ball zwischen den Beinen durchrollte. Weil wir versuchte, Ballspiele mit Trampolinspringen zu vereinen. Und so manches andere. Wir konnten so viel miteinander lachen. Ich denke auch unheimlich gerne daran, wie wir beinahe nie einer Meinung waren und uns liebevoll stritten. Manchmal ging es dabei auch bloß darum, wer den nächsten Kaffee holt. Irgendwann merkte ich, wie ich mich unheimlich auf jeden neuen Tag freute, einfach, weil wir beisammen sein konnten und es mich mit so viel Glück erfüllte. Ich liebte es, wenn wir uns berührten. Irgendwann war es so weit, dass ich geradezu süchtig danach war und versuchte, Momente herbeizuführen, die Berührungen beinhalten. Dabei sei gesagt, dass es nie zu irgendetwas Intimen kam, ja nicht mal ein Kuss. Alles blieb unausgesprochen. Aber ich bin mir ziemlich sicher - und andere waren das auch, die uns ganz subtil näher bringen wollten - dass dies keine einseitige Sache war. Nein, da waren Funken in Überhauf. Und was das Schöne an diesen Erinnerungen ist: Das Ende war von Anfang an festgelegt und... da war kein Schmerz, kein Groll, als es soweit war. Ich hätte zwar unheimlich gerne gesagt, was ich fühle, aber ich vermute, das hätte die Erinnerung in etwas schlechteres Licht getaucht. Es war eine unmögliche Zusammenkunft und das wussten wir. Ich hoffe, die Person weiß und spürte, wie sehr ich ihr zugetan bin. Aber ob es so ist oder nicht: Die Erinnerung besteht nur aus Schönem. Sie erzählt von zwei Menschen, die glücklich miteinander waren. Von einer unerwartet bedeutenden Begegnung, deren Ende vorgeschrieben war. Ich hoffe, dass mir jede einzelne Erinnerung an diese Zeit so intensiv und umfangreich erhalten bleibt, wie noch heute.

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