Wo wirst du wohl in fünf Jahren leben?

Fragen enthalten immer versteckte Aussagen, Implikationen. Auch eine ganz einfache wie etwa: Wie heißt du? Impliziert wird, dass der gefragte einen Namen hat. Und wenn er darauf antworten würde: «Ich habe gar keinen Namen», wäre das Staunen aber groß.
Und die Frage: «Wo wirst du wohl in fünf Jahren leben?» ist auch nicht von Implikationen verschont geblieben:
1. impliziert wird, dass ich in fünf Jahren überhaupt noch lebe. Freut mich und hoffe, dass ein Wahrsager diese Frage formuliert hat, statt eine Antwort zu geben;
2. dass ich an einem Ort leben werde und nicht etwa in den Erinnerungen meiner Freunde und Feinde oder als Zellhaufen in einem Reagenzglas (na ja, schlechter Vergleich: auch ein Reagenzglas ist ein Ort).
Auffällig aber ist, dass die Frage durchaus auch eine Unsicherheit impliziert durch das Wörtchen "wohl". Hierdurch kommt eine Unsicherheit ins Spiel, die das Leben mit sich bringt - trotz allen Sicherheiten und Wohnungs- oder Hauskäufen. Alle Immobilien der Welt sind kein Garant für das Bleiben.
Langer Rede kurzer Sinn: Ich weiß es natürlich nicht. Ich aber würde gerne hier weiterleben, wohin ich vor zwei Monaten gezogen bin.
Die allergrößte Implikation der Frage hätte ich beinahe vergessen zu erwähnen: Sie ist die stille Voraussetzung, dass ich es wissen könnte. Wahrscheinlich ist mein Foto im Profil so schlecht, dass ich mit einer Glaskugel verwechselt wurde. Wenn ein Computer oder eine Redaktion solche schlechten Fragen generiert, dann wird es Zeit für einen Wechsel. Oder aber: auch dumme Fragen können gescheite Antworten evozieren.
Geschwätz.

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