SOKRATES - Der kafkASKe Fortsetzungskrimi Teil1...

Uri Bülbül
Er stand unter der Dusche, als er verhaftet wurde. Er ließ sich nicht großartig stören; aber es war schon verwunderlich, dass jemand plötzlich in sein Badezimmer kam. Kurz erschrak er, hatte aber Seife auf dem Kopf und in den Augen, die er für einen Moment zu weit aufriss, wie sonst immer seine Klappe. Er lugte hinter dem Duschvorhang hervor; den Satz, dass er verhaftet sei, von einer sehr angenehmen Frauenstimme noch im Ohr, fragte er: «Wie sind Sie überhaupt in meine Wohnung gekommen?»
Die Frau machte keinerlei Anstalten, sich wegzudrehen oder das Bad zu verlassen. Statt dessen hielt sie stolz eine Scheckkarte in die Luft: «Damit». Ihre Augen, die er jetzt sah, obwohl er es lieber gehabt hätte, wenn sie sich umdrehte, waren mindestens so schön und angenehm wie ihre Stimme. «Ich würde mich jetzt gerne abtrocknen», sagte er. Sie nahm ein Handtuch und reichte es ihm wortlos rüber.
«Sind Sie allein?» fragte er. Noch ehe sie antworten konnte, kam eine männliche Stimme drohend aus der Küche: «Nein, ich bin auch da.» Sie sah seine Enttäuschung und musste schmunzeln. Er drehte ihr den Rücken zu, um sich wenigstens halbwegs geschützt abtrocknen zu können. Schließlich band er sich hilflos und umständlich das Handtuch um die Hüften. «Verhaftet?» fragte er, «Warum das denn?» Ohne eine Antwort abzuwarten, ging er an ihr vorbei ins Wohn-, Arbeits- und Schlafzimmer. Er hatte eine kleine Wohnung, bestehend aus diesem besagten Raum, dem Bad und der Küche.
Aus der Küche kam ein bulliger Kerl etwa 50 Jahre mit einem Bierbauch und einer offen getragenen Dienstwaffe an der Jeanshose mit einem Marmeladebrot in der Hand. «Hmmm, ich liebe selbstgemachte Marmelade», schmatzte er. «Die haben aber nicht Sie gemacht, oder?» «Doch. Aus Pflaumen aus dem eigenen Garten. Fühlen Sie sich wie zu Hause und bedienen Sie sich. Sind Sie überhaupt Polizisten?» Er hätte besser auf die kräftige und trotz des Bierbauchs stramme Statur des Bullen achten sollen. Jetzt war es zu spät. Er ließ das Brot im Mund schmatzend verschwinden und plötzlich sauste ein Fausthieb auf die Nase des Frischgeduschten. Ihm wurde schwarz vor Augen und er fand sich auf seinem Teppichboden wieder. Die Stimme des Bullen klang etwas entfernt, aber er konnte sie trotzdem gut verstehen: «Ja, wir sind Polizisten. Und das war mein Ausweis.»
Das Blut troff auf den Teppich. Er wollte wieder auf die Beine, da kam die Schönheit aus dem Bad und ihn traf ein heftiger Tritt in den Magen. Als seine Sinne halbwegs wiederkehrten, hörte er ihre Stimme: «Widerstand gegen die Staatsgewalt. Er widersetzt sich auch noch seiner Verhaftung!» Er brachte gerade mal ein «Nein, nein» heraus. Plötzlich legte sie eine Mütterlichkeit an den Tag, die ihm Angst machte: «Ziehen Sie sich schnell an, sonst werden Sie sich noch erkälten!» Damit hielt sie ihm eine Klopapierrolle unter die bluttriefende Nase. Er hatte keine Lust mehr, etwas zu sagen; nahm wortlos die Klopapierolle an, um die Blutung in den Griff zu bekommen.

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