SOKRATES - Des kafkASKen Fortsetzungskrimis http://ask.fm/Klugdiarrhoe/answer/107277631417 2. Teil...

Uri Bülbül
Sie betrachteten von oben herab angeekelt, wie die Klopapierrolle zusehends dünner und der Berg mit Blut durchtränktem Klopapier vor ihm immer größer wurde; er zitterte mittlerweile am ganzen Körper. «Erbärmlich», sagte sie, «so können wir ihn nicht mitnehmen. Er blutet uns das ganze Auto voll!» «Das macht er doch mit Absicht, damit wir ihn nicht mitnehmen», entgegnete ihr Kollege und fügte etwas hinzu, was ihn erstarren ließ: «Wir sollten ihn einfach erschießen. Dann könnte er uns nicht entkommen.» Sie kicherte: «Gute Idee! Wir sollten alle Verhafteten einfach erschießen. Auf der Flucht erschossen. Das würde uns einerseits viel Arbeit im Außendienst ersparen.» «Ja, wie du richtig sagst: IM AUẞENDIENST! Dafür hätten wir mehr Schreibkram.» Er begann wieder zu zittern und an eine Stillung seiner Blutung war nicht zu denken. Sie wollen mir nur Angst machen, sagte er zu sich selbst. Das war der einzig klare Gedanke, zu dem er fähig war. Seine Augen tränten vor Schmerz. «Lass uns gehen. Wir holen ihn ein andermal.» «Noch einmal Glück gehabt, Großfresse!» sagte der Bullige. Dann gingen sie. Er hörte, wie die Wohnungstür zugezogen wurde.
Minutenlang konnte er sich nicht rühren, bis er schier erfroren zitternd und bibbernd sich endlich auf sein Bett setzen und sich in seine Wolldecke einwickeln konnte. Sie waren nun weg, aber wann würden sie wieder kommen? Eine halbe Stunde später? Eine Stunde später? Am nächsten Tag? Wieviel Zeit blieb ihm überhaupt? Plötzlich hatte er es eilig, sich anzuziehen - warm anzuziehen! Er wollte keine Sekunde mehr verlieren. Aber kaum war er angezogen, schon stellte er fest, dass er sich einen neuen Pullover aus dem Schrank nehmen musste, weil der, den er angezogen hatte, schon voller Blut war. Er lauschte ängstlich in den Hausflur, ob Schritte zu hören waren. Er hatte auch niemanden weggehen gehört. Also schlich er vorsichtig an die Wohnungstür und lauschte, so konzentriert, wie er nur konnte. Als er nichts hörte riskierte er einen Blick durch den Spion. Der Hausflur schien leer. Er wischte sich mit dem Ärmel die Nase und öffnete leise und vorsichtig die Wohnungstür, um den Kopf in den Hausflur zu strecken und sich davon zu überzeugen, ob seine Peiniger tatsächlich weg waren. Es schien so. Schnell schloss er die Wohnungstür mehrmals ab.
Nachdem er sich im Bad nun viel ruhiger geworden so etwas wie eine Nottamponade aus Wattebäuschen gebastelt hatte, griff er zum Telefon. «Ayleen? Ich muss dich ganz dringend sprechen. Bitte, können wir uns so schnell wie möglich...» «Uri?» «Ja, ja doch, ich bin's! Können wir uns treffen?» Sie hatte ihn im ersten Moment gar nicht erkannt; umso schneller aber begriff sie, dass es sich um einen dringenden und wirklichen Notfall handeln musste. «Wir treffen uns im Café gegenüber dem Augusta Krankenhaus», schlug er vor. Seine Stimme war wirklich schwer zu erkennen, als würde er sich beim Sprechen die Nase zu halten. «Aber das ist doch gar nicht in deiner Nähe», gab sie zu bedenken. «Nein, aber

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