Ich bin totmüde, der Tag war so super anstrengend, und ich habe mir eine Erkältung eingefangen, aber so ganz ohne eine Spur auf ask zu hinterlassen, finde ich keine Ruhe. Es wird Zeit für die nächste Folge (Nr.5) des kafkASKen Fortsetzungsromans; und bald gibt es einen Blick ins Polizeipräsidium...

Uri Bülbül
Teil 5
«Was ist denn mit Ihnen passiert?» fragte die Schwester, als er endlich an die Reihe kam. Er wurde erst in einen kleinen Untersuchungsraum geführt und musste dort wieder eine geschlagene halbe Stunde warten. Dann kam endlich die fürsorgliche Schwester mit etwa dreißig Jahren Kampferfahrung auf der Ambulanz. «Ich habe einen auf die Nase bekommen», sagte er. «Nein! Unglaublich» erwiderte sie, als sie ihm die Wattebäusche aus der Nase zog. Er musste einen kurzen Schrei unterdrücken. «Wer das gemacht hat, gehört angezeigt», murmelte sie. Er zischte ironisch vor sich hin. «So eine miese Tamponade habe ich noch nie gesehen!» sagte die Schwester und zog mit der Pinzette noch ein paar Fuseln aus der Nase. Sie blutete wieder. Er bekam von der Schwester eine kleine Verbandsrolle in die Hand gedrückt. «Hier! Halten Sie sich das unter die Nase, bis der Doktor kommt.»
Das Polizeipräsidium befand sich mitten in der Stadt, war fast größer und hässlicher und angeblich funktionaler als ein Einkaufszentrum. Überall Beton, Beton, Beton, Platten und hier und da größere Glasflächen. Ein dreizehn stöckiges Gebäude in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts hochgezogen; der Architekt der beste Freund des Baudezernenten und Stadtkämmerers; der dritte im Bunde der Oberstadtdirektor mit seiner Frau als Ministerialrätin im Wirtschaftsministerium des Landes. Strukturen, die ein halbes Jahrhundert alt sind, könnte man denken. Aber nichts an ihnen hatte sich in den letzten fünfzig Jahren verändert; vielmehr konnte man denken, dass hier die Zeitlosigkeit am besten herrschte, während das große damals so mächtig wirkende Gebäude als Denkmal der Exekutive an vielen Stellen deutlichen Sanierungsbedarf aufwies.
Kurz hielt ein roter Porsche an der bewachten und Video überwachten Schranke zur Tiefgarage des Gebäudes, bis eiligst die Schranke hoch ging und der Wachmann in seinem Häuschen salutierte. Am Steuer des Sportwagens, der mit quitschenden Reifen die engen Kurven in die Tiefe nahm, saß der von Gundel Gaukel Ey so bezeichnete Landbulle mit seiner Kollegin. Im dritten Untergeschoss beschleunigte der Wagen auf der Ebene noch einmal mit aufheulendem Motor im ersten Gang fast bis 50 km/h und raste direkt auf eine Parklücke, die frontal mit einer Betonwand abschloss. Die Beifahrerin sah die Wand auf sich zukommen und zuckte nicht einmal mit den Wimpern. Es war sein beliebtes Spiel, wenn er wütend wurde. Und sie würde bestimmt nicht klein beigeben aufgrund solcher idiotischen Machtdemonstrationen. Zwischen Stoßstange und Wand waren nur wenige Millimeter als die beiden ausstiegen.
Auf dem Weg vom Auto in ihr Büro im 5. Stock sprachen sie nichts miteinander. Auf dem Gang auch nicht. Erst als er die Bürotür aufschloss und auf seinen Schreibtisch marschierte, ließ er es aus sich heraus: «Was musst du diesen Scheißtürken, Juden oder was er sonst sein mag verteidigen? Arroganter Drecksintellektueller! Zecke! Wir haben unsere Befehle, klar?» «Jawoll!» sagte sie im schneidigen Ton...

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