Ich ganz Rundflugpilot wurde durch eine anonyme Fragenbemerkung auf Kafka gelenkt und assoziierte damit wiederum meinen kafkASKen Roman SOKRATES. Hat niemand die Folge Nr.8 vermisst? Alle Folgen: https://docs.google.com/document/d/1O_cvvRp7qIerpzTciSZn3vyfhoTfmjkJIdMeghAcPQs/edit?usp=sharing

Uri Bülbül
Teil 8
Er stand in der Dunkelheit; hatte Pillen gegen die Schmerzen bekommen, aber keine gegen die Angst. Jetzt nach Hause? Er musste zuvor unbedingt zum Schlüsseldienst und ein Sicherheitsschloss in Auftrag geben. Dieses seltsame Polizistenpaar war mit einer Scheckkarte in seine Wohnung eingedrungen; und er hatte wirklich überhaupt nichts gehört unter der Dusche und plötzlich stand sie da. Im Nachhinein war er selbst äußerst erstaunt darüber, wie ruhig er zunächst geblieben war. Aber der Schlag auf die Nase hatte ihn jeglicher Souveränität beraubt.
Nun stand er in der Dunkelheit im Nieselregen und konnte sich nicht überwinden, nach Hause zu fahren. Wenige Minuten zuvor hatte er noch eine Auseinandersetzung mit dem Baum langen Notarzt gehabt, der sich weigerte den wahren Grund seiner Verletzung in die Krankenakte einzutragen. «Ich sage die Wahrheit und möchte, dass das festgehalten wird.» «Ja, ja», sagte der Arzt in gemütlichem Ton, als er seine Einträge in die Krankenakte machte. «Am Anfang der Untersuchung wollen Sie noch gegen eine Laterne gelaufen sein, und nun die Geschichte, zwei Kriminalpolizisten seien in ihre Wohnung eingedrungen, hätten Sie unter der Dusche überrascht und Ihnen dann das Nasenbein gebrochen! Was soll dieser Quatsch? Bleiben Sie lieber bei Ihrer Laternenversion!» «Das ist nicht meine Laternenversion, sondern die IHRIGE!» Davon ließ sich der Riese nicht irritieren. «Machen Sie lieber die Laternengeschichte zu Ihrer EIGENEN! Sonst werden Sie noch mehr Probleme bekommen, als sie womöglich ohnehin schon haben!» brummte der Arzt in einem ruhigen Ton – so, als wäre es ihm schon fast egal, was aus seinem Patienten wird; denn er hatte seinen Job und seine Schuldigkeit getan. Ohne weitere Diskussion kritzelte er irgend etwas in die Akte und ging mit ihr unter dem Arm nach einem kurzen Händedruck ins nächste Behandlungszimmer.
Sein Patient stand wenige Minuten später auf der Straße, ließ sich langsam vom Nieselregen weich machen und sich darüber ärgern, dass seine Mißhandlung durch die Polizei nicht einmal offiziell wurde. Aber vielleicht hatte der Arzt ja wirklich recht, und es war ja eigentlich auch sein erster Gedanke gewesen: «Bei wem möchten Sie sich denn beschweren? Am Ende haben Sie noch eine Anzeige wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt und falscher Anschuldigung, Irreführung der Justiz und weiß der Geier wie all die Paragraphen heißen, mit denen man Sie zur Strecke bringen kann. Aber an mir soll's nicht liegen. Ich schreibe auf, was Sie wollen.» «Nein, nein. Schreiben Sie Unfall auf der Straße. Ich will einfach nur meine Ruhe!» «Auf der Straße? So, so. Kann denn die Dame, die Sie hierher begleitet hat, diesen Unfall auf der Straße bezeugen?» «Keine Ahnung. Ich habe sie nicht gefragt, bevor ich gegen die Laterne lief», knurrte der Patient. «Ach, sehen Sie! Diese Laternenversion hielt ich ohnehin von vornherein etwas schwach: es ist ein häuslicher Unfall nach dem Duschen gewesen: sie sind ausgerutscht und...

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