«Wenige Flugstunden von der Sonne entfernt, wähne ich mich sicher und verglühe spurlos» - das könnte auch ein Satz für meinen «Helden» im kafkASKen Fortsetzungsroman SOKRATES sein. Es wird Zeit für die 10. Folge...

Uri Bülbül
Was bisher geschah:
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«Wieder ruhig schlafen - Fühlen Sie sich rundum sicher!» Diese Werbung am Schaufenster hatte viel versprochen. Direkt aus dem Krankenhaus zum Schlüsseldienst. Also stand er vor der Chefin des Ladens und erklärte ihr sein Anliegen. Vielleicht etwas zu umständlich, aber ihm fiel nun einmal das Sprechen schwer. Die dicke Frau blieb reserviert. Sie notierte sich die Adresse, nahm eine Anzahlung und vertröstete ihn auf morgen. Nein, heute sei auf gar keinen Fall mehr ein Monteur frei. Aber gleich morgen früh um 10.00 Uhr würde jemand zu ihm heraus fahren und ein Sicherheitsriegelschloss an seine Tür anbringen. Es hatte keinen Sinn mit ihr zu diskutieren. Er steckte die Quittung ein und ging zu seinem Benz. Aus dem kleinen Büro , das sich im Nebenraum hinter der Ladentheke befand, kam eine junge Frau zum Vorschein. «Ich hätte doch zu ihm fahren und das Schloss anbringen können, Mama», sagte sie, «Warum hast du mich nicht gefragt?» Die Chefin schüttelte abwehrend hektisch den Kopf. «Nein, nein. Lass das mal schön morgen Jürgen und Karl machen. Ich will nicht, dass du zu so einem Irren in die Wohnung fährst!»
Sein Kopf arbeitete irgend etwas und sein Körper irgend etwas anderes. Verfolgten sie ihn? Was wollten die beiden Polizisten von ihm? Was sollte er verbrochen haben? Wessen wurde er beschuldigt? Seine Hand steckte den Schlüssel ins Zündschloss, obwohl er gar nicht los fahren wollte. Wohin auch? Konnte er sich tatsächlich nach Hause trauen? Was erwartete ihn dort? Womöglich hatten sie in seiner Abwesenheit alles auf den Kopf gestellt? Aber was konnten sie suchen? Oder anders formuliert - und diese Formulierung machte ihm durchaus Angst – WAS WOLLTEN SIE IN SEINER WOHNUNG FINDEN? Er ging kurz sein bescheidenes Leben durch: ein Hörspiel mit einem prosaisch-essayistischen Text zu einer Synopse verknüpft veröffentlicht. Hypertextspielereien auf der Suche nach einer neuen Ästhetik, nach denen sich bereits ein Arthur Schopenhauer gesehnt hatte. Der alte Griesgram wäre heute auf facebook, um alle zu schmähen und zu kritisieren. Er würde niemals aufhören, über die unendliche Hegelei als Staatsphilosophaster zu schimpfen. Ja, er war einsam. Einsam wie sein Philosophenvater. Na und? Er war weder schlecht gelaunt noch schlecht gelitten. Er hatte Freunde, Brieffreundschaften, Kontakte, Rendezvous, alles, was sein Herz begehrte. Fast alles!
Er hatte sich keines Vergehens schuldig gemacht. Na und? Dieses Gefühl hatten alle, die unschuldig verhaftet wurden. Aber sie wussten doch wenigstens, wessen sie beschuldigt wurden. Er wusste es nicht, hatte dafür eine gebrochene Nase und eine wirklich miserable Anwältin, die ihn zum Irrenarzt schickte: @DoctorParranoia (man beachte die Schreibweise!). Es war alles ziemlich verrückt.

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