Es wird höchste Zeit, das Dutzend voll zu machen mit dem kafkASKen Roman SOKRATES. Unser Held unterwegs zu @DoctorParranoia, verfährt sich im Wald und bleibt im Straßengraben stecken. Wird er hier @Zodiac6000 begegnen?

Uri Bülbül
Es war ja noch nicht einmal richtig dunkel. An die zwölf Stunden hier im Wald stecken zu bleiben und zu warten war vielleicht doch nicht eine so gute Idee. Und überhaupt – worauf sollte er denn warten? Die Hilfe, die er jetzt nicht anfordern oder erhalten würde, würde er auch morgen nicht bekommen können. Und alles andere ließ sich auch sofort regeln. Er regelte aber nichts und verharrte stattdessen in seiner Trotzhaltung.
Es verging so eine gute halbe Stunde, ohne dass irgend etwas passierte. Doch dann hörte er plötzlich ein Auto von Links herannahen. Er erkannte schon am Sound einen Porsche, noch bevor seine Lichter und dann der Wagen selbst sichtbar wurden. Er hatte keine Zeit, sich zu entscheiden, ob er aussteigen oder besser sitzen bleiben sollte. Schon kam der Porsche angerast und blieb mit quitschenden Reifen direkt an seinem Benz stehen. Er traute seinen Augen nicht, und nun brach der eiskalte Angstschweiß aus – völlig unwillkürlich, unkontrolliert und unbeherrschbar. Um diese Angst zu riechen, musste man kein Polizeihund sein. Es reichte die Nase des Kommissars von der Verhaftungsaktion, der den Motor seines Wagens abstellte und gemächlich ausstieg, wobei er die verdächtige Person scharf im Auge behielt. Er legte die Dienstwaffe unter seinem Pulli frei, löste die Halterung und ließ seine Hand am Pistolengriff, während er sich von der Beifahrerseite an den Verdächtigen näherte. Die Rechte immer noch an der Waffe gab er ihm mit der linken Hand ein Zeichen, das Fenster der Beifahrertüt herunter zu lassen, woraufhin er zitternd die Zündung einschaltete, um den elektrischen Fensterheber betätigen zu können.
«Guten Tag, Polizeikontrolle. Wen haben wir denn da? Ist das nicht unser Möchtegernintellektueller, der im Bad der Polizei Widerstand leistet und die Durchsuchung seiner Wohnung behindert?» Er schwieg. Was sollte er darauf sagen? Ein Albtraum; er und sein Peiniger allein im Wald. Der Peiniger bewaffnet mit einer Polizeipistole und seinem Dienstausweis. Er ein Schutzloser mit einer gebrochenen Nase. «Geben Sie mir Ihre Papiere, Fahrzeugschein und Führerschein, bitte.» Er gehorchte einfach und konnte dabei weder seine Angst noch sein Zittern unterdrücken. «Und steigen Sie bitte langsam aus dem Wagen, drehen Sie sich mit dem Gesicht in Richtung Ihres Autos und legen Sie beide Hände langsam auf das Dach. Ich komme nun zu Ihnen und werde Ihnen Handschellen anlegen. Das dient sowohl zu Ihrem als auch zu meinem Schutz. Wir werden somit Mißverständnisse vermeiden und Sie entgehen der Gefahr aus Versehen erschossen zu werden.» Er gehorchte einfach und automatisch. Vielleicht war da ja wirklich etwas dran, dass dieser wilde Bulle ihn nicht in Handschellen erschießen würde. Aber was hinderte ihn daran, danach nicht wieder die Handschellen abzunehmen? Er hatte nicht länger Zeit, darüber nachzudenken. Die Handschellen klickten schon.

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