Die 14. Folge des kafkASKen Romans SOKRATES. Die 666. Antwort naht. Sie könnte doch wahrhaft teuflisch werden, obwohl mir das Teuflische nicht so liegt. Vielleicht suche ich @point_man heim. 666 ist ihm auf jeden Fall gewidmet. Und bis zur 17. Folge müsste ich es auch schaffen...

Uri Bülbül
Eine Sekunde der größten Verachtung verstrich; dann fuhr der Wagen weiter. Er wollte nicht noch länger Zeit verlieren. Es musste etwas geschehen; seine Nase begann zu schmerzen; die Schmerzmittel ließen schon in ihrer Wirkung nach. Aber erst einmal musste er plötzlich von seinem Harndrang überwältigt an einen Baum. Er stellte sich aber so, dass er die Straße und sein Auto im Auge behalten konnte und ab und an schaute er auch über die Schulter nach hinten, als könnte plötzlich die Hexe aus dem Auto hinter ihm stehen.
«Die besten Ideen kommen einem beim Wasserlassen oder Stuhlgang», pflegte sein Vater zu sagen. «So manch eine entscheidende Schlacht wurde bereits auf dem Nachttopf entschieden. Gute Ideen brauchen nun mal Entspannung. Geh spazieren oder mach etwas anderes, wenn du mal mit einer Aufgabe nicht weiter kommst.» So lauteten die guten heuristischen Ratschläge seines Vaters. Er hätte sich nicht gewundert, wenn sein Sohn die Badewanne zu seinem Lieblingsarbeitsplatz erklärt hätte. «Archimedes hat damit die Welt verändert, mein Lieber» hätte der Vater gesagt und die hohe Wasserrechnung stillschweigend ertragen. Schließlich war er davon mehr überzeugt, dass sein Sohn etwas Großes zustande bringen würde, als sein Sohn selbst. Da nun in diesem Waldstück weder Badewanne noch WC zur Verfügung standen, musste die Idee sich beim Wasserlassen Bahn brechen. Entsprechend war sie auch mit einigen Mängeln behaftet: Eine knappe Stunde nach dem besagten heuristischen Wasserlassen traf Ali, sein alevitischer Mechanikerkumpel mit seinem Abschleppwagen ein. «Nachtigall, du bist ein Idiot! Deinetwegen kann ich keinen Feierabend machen und muss hier durch die Gegend fahren! Du steckst hier fest? Das ist alles? Und deswegen behelligst du mich?» Jetzt erst bemerkte er die Nase. «Was hast du denn da gemacht?» Nun klang seine Stimme nicht mehr gar so sarkastisch. «Ein Bulle hat mir heute Vormittag das Nasenbein zertrümmert.» «Was hast du mit Bullen zu schaffen?» fragte Ali und erntete nur ein Achselzucken. «Dann behalte es halt für dich, Idiot, und sieh zu, wie du deinen Karren selbst aus dem Dreck ziehst!» «Ich würde es dir ja sagen, wenn ich wüsste, was die wollen. Plötzlich standen ein Mann und eine jüngere Frau bei mir in der Wohnung; ich unter der Dusche; die Frau im Bad...» Ali lachte. «Ja, eine gute Geschichte. Ich mach dann mal Feierabend.» «Aber wenn's doch so war!» jammerte die Nachtigall. Ali war ein kleiner kräftiger Bursche mit finsterem Aussehen. Er brachte es mit seiner Körpergröße nicht auf mehr als 1.65m und dennoch hatte er etwas Respekteinflößendes. «Und warum die Nase?» «Der Typ schlug einfach zu, weil ihm meine Nase nicht passte. Wirklich. Das ist nicht gelogen! Und ich habe auch nichts ausgefressen. Ich weiß nicht, was die von mir wollten.» Ali betätigte die Seilwinde und holte den Abschlepphaken, um ihn unter der vorderen Stoßstange in den dafür vorgesehenen Ring einzuhaken. «Aber irgend etwas müssen sie doch gesagt haben...

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