Apropos Wahnsinn: ich könnte die nächste Folge von SOKRATES veröffentlichen. Was bisher geschah findet ihr frei kommentierbar unter: https://docs.google.com/document/d/1O_cvvRp7qIerpzTciSZn3vyfhoTfmjkJIdMeghAcPQs/edit?usp=sharing Und hier nun Folge 18:

Uri Bülbül
Fortsetzung von http://ask.fm/Klugdiarrhoe/answer/114005574073 Die Begegnung mit Zodiac, der im Gesindehaus des Herrensitzes wohnt:
Sie erinnern mich an diese bekannte Sokratesbüste mit der abgebrochenen Nase. Worauf wurden Sie denn so direkt gestoßen, dass Sie sich dabei das Nasenbein brechen mussten?» Wieder sah Zodiac die nackte Angst im Gesicht seines Gegenübers, der ihn zu langweilen begann. «Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend und grüßen Sie mir Schwester Lapidaria», sagte er, indem er sich abwandte und auf das Gesindehaus zuging, wobei er mit einem größeren Stein tänzelnd Fußball spielte.
Schwester Lapidaria? Das konnte nur die Hexe sein, der er schon auf dem Weg begegnet war.
Beherzt trat er auf das Herrenhaus zu und klingelte am Haupteingang. Während er wartete und auf Geräusche im Haus lauschte sah er sich um. Zodiac war im Gesindehaus verschwunden, und Uri fragte sich, ob er dort ganz alleine wohnte. Die Chance das und noch mehr heraus zu bekommen, hatte er ja ausgeschlagen. Wer weiß, was ihn nun im Herrenhaus erwartete. Plötzlich wurde die Tür geöffnet, ohne dass er zuvor Schritte gehört hatte. Wieder erschrak er sich und machte einen Satz nach hinten. Zwei dunkelbraune Augen schleuderten giftige Blicke auf ihn; der grellrote Mund formte ein spöttisches Lächeln. «Da ist er ja – der Vogel aus dem Wald. Na dann, komm mal rein!» Sie beachtete sein Zögern nicht weiter, wandte sich einfach ab und ging ins Haus, ihrer Sache ganz sicher, dass er folgen würde, was er auch tat. Das Entrée war ein großer Saal, von dem mehrere Türen abgingen und eine Marmortreppe in den ersten Stock führte. Die Empfangshexe steuerte auf eine mächtige Eichentür und als sie ihre Hand auf die Klinke legte, drehte sie sich nach dem Besucher um, der wie ein Bauerntrottel mit halboffenem Mund die Deckenleuchter und die Bilder an den Wänden begaffte. Sie drückte die Türklinke demonstrativ einladend nieder, machte die Tür auf, die sich nach Innen in den Raum öffnete und sagte: «Das ist unser Kaminzimmer mit Büchern und Zeitschriften und einer Bar, an der du dich bedienen kannst. Mach es dir einfach gemütlich.» Der Raum war im alten englischen Kolonialstil eingerichtet; drei lederne Ohrensessel waren um ein Kamin gruppiert, in dem große Holzscheite gemütlich brannten und einen behaglichen Duft mit Wärme verbreiteten. «Ich kann dir auch einen Tee bringen, wenn du möchtest», sagte sie ihm, der noch immer verloren im Raum stand und nicht aufhören konnte herum zu gaffen, als wäre er vollkommen verblödet. Mit dem Stichwort «Tee» konnte er scheinbar doch noch etwas anfangen: «Ja, gerne. Ich hätte einen Tee lieber. Einen Earl Grey.» «Mit einem Schuss Milch?» «Nein, danke, lieber mit einem Stück Zucker.» Es war ein Fehler, die gut versteckte giftige Ironie in ihrer Stimme nicht gehört zu haben: «Hör mal zu, du Schwachkopf! Wir sind hier nicht im Hotel, sondern in der Psychiatrie! Hier kannst du Pfefferminztee oder Hagebuttentee bekommen. Sonst gar nichts!»

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