SOKRATES - Der kafkASKe Fortsetzungsroman Teil 25 mit einer Passage von @MaskenmitMasken. Der Roman in einem Fließtext hier: https://docs.google.com/document/d/1O_cvvRp7qIerpzTciSZn3vyfhoTfmjkJIdMeghAcPQs/edit?usp=sharing

Uri Bülbül
Auch dafür hatte Luisa mehr als Verständnis. «Ich muss erst ins Bad; dann können wir deine Sachen aus dem Auto holen», presste Johanna hervor.
Diese Ereignisse lagen nunmehr zwei Jahre zurück. Seit zwei Jahren lebte Luisa bei ihrer Schwester, ging zur Schule, machte ihre Hausaufgaben, lernte auf Klausuren oder auch nicht, spielte Computerspiele und begann sich für das eine oder andere Hobby zu interessieren, ohne sich so recht entscheiden zu können. Über diese Probleme im Leben ihrer kleinen Schwester konnte Johanna schmunzeln. Seltsam unausgesprochen hatte sich eine Regel in ihr Leben eingeschlichen: es gab keine Männerbesuche zu Hause. Natürlich hätte Johanna nichts dagegen gehabt, wenn Luisa einen Freund mit nach Hause gebracht hätte; aber es passierte einfach nicht. Und auch sie selbst hatte überhaupt kein Bedürfnis nach einem Mann in ihrer familiären Privatsphäre der Zweisamkeit mit ihrer Schwester. An diesem Abend auf der Fahrt vom Polizeipräsidium nach Hause beschlich Johanna ein seltsames Gefühl: eine Mischung aus Melancholie, Sehnsucht, Befreiung mit einer Priese Wut. Sie konnte es sich nicht erklären und wollte sich auch keine weiteren Gedanken mehr machen. Stattdessen freute sie sich lieber auf das Abendessen mit Luisa, die sie mit einer ungewöhnlichen Nachricht empfing, die sie fast beiläufig fallen ließ: «Mutter hat angerufen.»
Johanna sah versunken zu Boden. Nilam begann wieder schüchtern auf sie einzureden, dass es doch nicht schlimm sei, sie als beste Freundin zu haben; und mit ihr würde sie auch Eikes Schläge besser ertragen. Auch seien doch seine Schläge sehr erregend, oder nicht? «Sei still, sofort!», rief Johanna ihr zu. Nilam verstummte nicht: «Warum sollte ich das tun? Ich bin du, du bist ich. Was macht es denn für einen Unterschied, ob ich rede oder nicht. Im Grunde genommen bin ich dennoch anwesend und du spürst mich jede Millisekunde. Ich bin immer bei dir in deinem Körper - oder bist du in meinem? Vielleicht habe ich ja dann das Recht, dir den Mund zu verbieten.» Johanna schwieg, sie wusste dazu keinen wirklichen Konter, um Nilam zum Schweigen zu bringen. Immer wenn Alfred zu Eike mutierte, trat sie in den Vordergrund und beschützte sie. Irgendwie. Alfred war selbst nicht bewusst, dass Nilam ihn Eike nannte, aber dieser Name passte dann zu Alf. Johanna wusste selber nicht, warum das der Fall war, doch kam ihr dieser Name sehr vertraut vor. «Na? Wer von uns beiden ist nun das graue Mäuschen?», fragte Nilli provokant. Johanna entgegnete trocken: «Damit du dich stärker fühlst nutzt du immer drei Möglichkeiten: Die erste ist die Mitleidstour, damit du deinem Gegenüber dann leichter in den Arsch treten kannst. Die zweite ist das Provozieren, sodass du dann der Person leichter die Schuld zuweist und die dritte Möglichkeit...» Johanna machte eine lange Pause. ( http://ask.fm/MaskenmitMasken/answer/114532868223 redigierte Fassung)

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