Es wird nach zehn Tagen allerhöchste Zeit für die 26. Folge des kafkASKen Fortsetzungsromans - dieses Mal wieder mit einem Beitrag von @MaskenmitMasken. Im Original nachzulesen: http://ask.fm/MaskenmitMasken/answer/114532868223 Hier die redigierte Fassung...

Uri Bülbül
Nilli begann einzuwenden: «Wie? Ich soll manipulieren? Hör auf sowas zu denken! Denk nicht mal daran.» «Ich habe es doch schon getan», erwiderte Johanna mit einem finsteren Lächeln, «Ich habe es nie wirklich bemerkt, aber du manipulierst mich immer im Hintergrund. Du kranke Person stehst auf Schläge und wirst dabei feucht. Du unterwirfst dich, obwohl du eine starke und selbstständige Frau bist. Du bist intelligent! Der Beweis ist der beste Abschluss in der Polizeiakademie, oder nicht?» Nilli fing an zu lächeln, dann kicherte sie leise und steigerte sich zu einem hysterischen Lachen. Sie warf dabei den Kopf in den Nacken, ihre Haare flogen in Johannas Kopf nach hinten. Sie zeigte ihre Zähne, während sie wie eine Hyäne lachte: «Hanna, du machst mich so fertig. Du hast dich selbst als krank bezeichnet!» Johanna verdrehte die Augen und schwieg. Nilli drängelte sie zum Weiterreden, aber sie blieb stur.
«Meine liebe, warum sind Sie heute so in ihre Gedanken versunken? Es steht Ihnen natürlich frei zur Wahl, ob Sie mir Ihre Gedanken offenbaren, aber ich wäre Ihnen wirklich sehr verbunden, wenn Sie sich mir öffnen würden. Schlussendlich bin ich laut Ihren Akten nicht Ihr Doktor, aber...» sprach eine beruhigende und dennoch klare Stimme. Johanna fuhr aus ihrer Diskussion mit Nilam und schaute erschrocken in die warmen und freundlichen Augen des jungen Mannes. «Akten? Was für Akten?» «Ach, ich habe hier ab und an die Freude, Akten studieren zu dürfen - Dossiers, die sorgfältig angelegt sind.» «Wie kann es sein, dass Sie Zugang zu diesen Daten haben?» Schatten tanzten auf seinem Gesicht: «Sagen wir: ich habe mir den Zugang erarbeitet.» «Zodiac! Sie sind ein Hacker!» rief sie empört. «Nehmen Sie noch einen Schluck Wein?» fragte er mit einer sehr angenehmen Herzlichkeit in der Stimme, um dann plötzlich messerscharf hinzuzufügen: «Und Sie, meine Liebe, sind eine Masochistin mit einer Persönlichkeitsstörung. Entschuldigen Sie! Genau genommen: „mit Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung“ - so hat es die Eule aktenkundig gemacht.» «Wer?» «Die Eule - so nennen ihn alle, das ist der Spitzname unseres ehrenwerten Doctor Parranoia. Aber die richtige und wichtige Frage - für Sie besonders wichtige Frage - lautet: Wann werden es meine Vorgesetzten erfahren - also: Ich meine natürlich Ihre Vorgesetzten. Ich selbst habe ja keine.» Er lachte. «Jedes menschliche Ego kann gebrochen werden. Jeder hat seine persönlichen Schwächen, die er versucht zu verstecken. Aber wissen Sie, auch wenn ich einst dachte, die Leichen lägen im Keller; nein, wir müssen das Sprichwort ändern: die Leichen liegen im See der Persönlichkeit und irgendwann werden sie hoch geschwemmt und treiben an den Strand. Stinkende, aufgequollene, angefressene Wasserleichen - etwas Ekelhafteres vermag man sich nicht vorzustellen.» «Sie sind ein Cyberkrimineller, Zodiac!» schrie Johanna, «Ich werde Sie verhaften!» Der Mann im Armanianzug mit der lockeren Krawatte um den Hals lächelte gütig und herzlich: ...

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