Auf die Folge 27 des SOKRATES müssen wir keine 10 Tage warten. Das steht fest. Hier findet ihr den zusammenhängenden Text: https://docs.google.com/document/d/1O_cvvRp7qIerpzTciSZn3vyfhoTfmjkJIdMeghAcPQs/edit?usp=sharing und hier die Folge 27...

Uri Bülbül
«Ein Freibeuter der Meere; ein Surfer in der Datenflut, Nilli. Und Sie haben an Ihrem Eike ganz schön zu knabbern, Liebste. Eines Tages werden Sie mich womnöglich wirklich verhaften - etwa so, wie Sie den kleinen Singvogel verhaftet haben, nicht wahr? Aber heute - heute bin ich ihr Therapeut und Helfer, der das Gutachten der Eule über Sie für Ihre Vorgesetzten auf „unsichtbar“ geschaltet hat. Aber Sie müssen es mir nicht danken, nein, das erwarte ich nicht.»
Sein diskretes Lächeln auf seinem ovalen, markanten und etwas schmalen Gesicht beruhigte Johanna etwas, die zuvor in ersichtlicher Aufruhr gewesen war. Seine Augen ruhten ruhig und interessiert auf ihr und warteten mit kaum merkbarer Ungeduld auf eine Antwort. « Jedes Mal, jedes Mal spricht sie. Sie redet und redet und sie hört nie auf! Ich muss mit ihr immer absprechen, wann ich zu Bett gehe oder ob ich was esse. Ich fühle mich eingeschränkt. Eingeschränkt in meiner Lebensqualität. Sie nimmt mir die Zeit, die ich für mich brauche und Nilam bemerkt das nicht einmal, obwohl sie mich manchmal besser kennt als ich mich selbst.» «Nilam», wiederholte er den Namen ihrer Widersacherin und ihres Plagegeistes, «Nilam - was für ein schöner Name - sehr phantasievoll.» Er zog eine Augenbraue hoch und legte seine Stirn leicht in Falten, während er sich mit seiner rechten Hand durch das Haar fuhr. Dann machte er es sich auf seinen Sessel bequem und schaute eine Weile leicht abwesend die Topfpflanze im an. Sein Blick wanderte langsam von diesem Gewächs zu seinen gefalteten Händen und dann blickte er Johanna direkt in die Augen. Ganz sanft und im flüsternden Ton sprach er: «Sie und die werte Nilam sind dem Wahn verfallen. Sie sind wahnsinnig. Geben Sie sich ihm hin. Es ist eine Wohltat dies zu tun. Doch glaube ich auch, dass eine von Ihnen eine wahrhaftige Pragmatikerin ist, nicht wahr? Lassen Sie von der Pragmatik ab und verfallen Sie in das Paradoxon, zwei Personen in einem Menschen zu sein. Fänden Sie es nicht auch aufregend, Dinge in einer neuen Art der einsamen Zweisamkeit zu durchleben? Ich würde mich zudem freuen, Ihre werte Nilam näher kennenzulernen.» Sein Blick wanderte weiter zur Uhr an der Wand: «Es ist Zeit, meine Liebe, Sie sollten nun besser gehen. Ich fand es sehr amüsant, Sie bei Ihrer anwesenden Abwesenheit zu beobachten. Natürlich stehen meine Pforten jederzeit offen, falls Sie eine weitere Sprechstunde oder ein unbelegtes Zimmer brauchen.» Er stand aus dem Schneidersitz vom Sessel auf und ging bedächtig zu Johanna. Sie gab ihm die Hand und nickte mit einem dezenten Lächeln, dann stand sie auf und wandte sich zur Tür.
(Auch diese Folge ist @MaskenmitMasken zu verdanken.)

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