Gott wird sich eines Tages bei dir melden!

OH, der Papst hat sich bei mir anonym gemeldet, aber auch nur weil er kein Ask-Profil hat. Vielen Dank, Hochwürden. Sie sind der einzige Stellvertreter Gottes auf Erden. Bis es soweit ist, vertreibe ich mir die Zeit mit SOKRATES, dem kafkasken Roman, dessen 32. Folge fällig ist und von dem ich mir vorgenommen habe 365 Folgen zu schreiben. Mal sehen, vielleicht schaffe ich ja schon 50 Folgen bis zur Veröffentlichung meines Buches «1001 Antwort - Mein Jahr auf ask.fm als Klugdiarrhoe». In der Geschichte kommt auch ein Gott vor; allerdings ein altgriechischer, als es bei den Griechen der Götter noch viele gab. Mögen Eure Eminenz mich jetzt entschuldigen.
Hier ist die Folge 32 von SOKRATES, dem kafkasken Fortsetzungsroman:
Sie sprang gute zwei Meter mit einem einzigen Satz aus dem Wasser, dass ihm vor Schreck, sie könnte auf ihn fallen, die Luft weg blieb. Sie aber ließ sich knapp neben ihm wieder auf die Wasseroberfläche klatschen. Die dadurch verursachte Welle hob ihn an und senkte ihn wieder, er tauchte kurz wirbelnd unter. «Er will an Land! Mehr fällt ihm dazu nicht ein! Hier ist aber kein Land. Schau dich doch mal um! Weit und breit nur Meer. Oder siehst du außer Wasser und Himmel noch etwas?» Er sah sich um. Tatsächlich es war weit und breit außer Wasser nichts zu sehen. «Wenn du wolltest, könntest du mich aber an einen Strand bringen, nicht wahr?» fragte er. Ophelias delphinarische Reinkarnation kicherte nervös und richtete sich wieder auf ihrer Schwanzflosse auf. Dieses Viech kann mich vernichten, wenn es will, ging es ihm durch den Kopf, ahnungslos, dass Ophelia auch seine Gedanken lesen konnte und nun wütend sich auf ihn nieder warf. Geistesgegenwärtig und schnell in der Reaktion schaffte er es um Haaresbreite, ihr auszuweichen. Er spürte ihr Aufklatschen auf der Wasseroberfläche und die heftige spritzende Welle, die ihn wieder kurz untergehen ließ. Er kämpfte sich an die Luft und brachte zwischen zwei Hustenanfällen mühsam hervor: «Ist ja schon gut! Beruhige dich wieder! Und erzähl deine Geschichte! Ich werde dir aufmerksam zuhören.» «Hamlet hatte mir Liebesbriefe geschrieben, schöne Worte gemacht:
„Zweifle an der Sonne Klarheit,
Zweifle an der Sterne Licht,
Zweifl', ob lügen kann die Wahrheit,
Nur an meiner Liebe nicht.“»
«Schönes Gedicht», sagte er und versuchte, so gut es ging, gerührt zu klingen, denn im Grunde hielt er es für kitschig. «So ein Scheiß!» schimpfte das Delphinweibchen, «hat überhaupt nichts zu bedeuten – leeres Gefasel, und du weißt das ganz genau! Ich hätte es mir eigentlich denken können und wissen müssen, dass einer, der nicht einmal im Gedicht die Form wahren kann, in der Liebe erst recht nicht durchhält.»
«Im Gedicht nicht die Form wahren? Das verstehe ich nicht.»

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