Frau Sophie Rosenberg-Kübel, Luisas Deutschlehrerin, wird auf jeden Fall zu einer Figur des SOKRATES-Romans. Es sind mittlerweile sieben magische Tage vergangen, seit der Folge 40 und für mich steht fest: LEHRER MÜSSEN IN IHRER DEMAGOGIE ENTLARVT WERDEN!!! Aber schööön langsam :) Folge 41...

Uri Bülbül
Luisa nahm sich auch einen Stuhl. Es gab Getränke: Cola, Fanta, Mineralwasser. Eine blonde Frau etwa im Alter der Lehrerin bediente sie freundlich, und Luisa fragte, ob sie auch eine Fassbrause haben könne. Während Frau Rosenberg-Kübel etwas von „Sonderwünschen“ in ihre Haare auf den Zähnen brummelte, lächelte die Blonde zustimmend und brachte ihr eine Flasche Fassbrause. Wenige Augenblicke später erschien ein Mann mit leicht gelocktem Haar und einem leichten Bauchansatz zur Begrüßung der Schulgruppe. Er hatte einen deutlichen Migrantenakzent, sprach aber dafür ein recht elaboriertes Deutsch: «Ich möchte euch herzlich in unserem Theater willkommen heißen; mein Name ist Rumi Malevi, ich bin der Leiter des Theaters. Ich duze euch jetzt alle der Einfachheit halber. Ich hoffe, es ist für euch in Ordnung.» Sophie Rosenberg-Kübel nickte breit grinsend, was wohl Freundlichkeit und Freundschaft signalisieren sollte und einfach nur neurotisch debil wirkte. Zumindest sah es Luisa so. «Wie heißt der Laden hier?» fragte sie nach einem kräftigen Schluck Fassbrause aus ihrer Flasche. «Unser Theater heißt „Cascando“ nach einem Gedicht von Samuel Beckett benannt, in dem es heißt „lös ein das ausgetauschte lebwohlsagen/die stunden da du fort bist sind so bleiern/zu früh fangen sie an zu schleppen/die enterhaken tasten blind ins bett der notdurft/holen/knochen rauf/alte liebschaften/höhlen einst angefüllt mit augen wie deinen... usw. Ich kann das ganze Gedicht nicht auswendig. Unser Hausphilosoph und Dramaturg, der zugleich der Sprecher unseres Theaters ist, könnte es besser. Aber er ist aufgehalten worden.» «Nein», sagte Luisa, «in Wahrheit weißt du einfach nicht, wo er steckt. Er sollte hier sein, ist er aber nicht. Und seine Freundin vermisst ihn schon!» Rumi Malevi lachte: «Wow, das nenne ich gut informiert. Du hast mich erwischt!» Die blöde Rosenkübel versuchte dazwischen zu gehen und Luisa zu ermahnen. Aber sie war eindeutig zu langsam für diese Konversation. «Es ist ein schönes Gedicht, und der Name des Theaters gefällt mir auch. Kann ich bei euch ein Praktikum machen?» fragte sie ohne Umschweife. Rumi Malevi sah sie aus ruhigen freundlichen Augen an, musterte sie ein wenig und schien nachzudenken, dann antwortete er: «Nicht viele können es in unserem Team aushalten. Wir sind nicht gerade leichte Menschen, aber du kannst es gerne mal versuchen». In diesem Augenblick kam eine junge, schlanke Frau mit schwarzen Haaren und fast ebenso dunklen großen Augen ins Foyer. Sie wirkte sehr besorgt und man ahnte, dass ihr Tränen recht schnell in ihre großen Augen schießen konnten: «Rumi, ich gehe jetzt. Falls Uri hier auftauchen sollte, sag ihm bitte, er soll sich schnell bei mir melden. Ich werde ihn jetzt weiter suchen. Ich fahre jetzt zur Psycho-Villa.» Der Theaterleiter nickte ernst aber auch ein wenig zerstreut, als könne und wolle er diese Informationen hier gar nicht hören und nahm sie zum Abschied kurz in den Arm.

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