Zeit für die 47. Folge von SOKRATES. @point_man hat schon sein Bedauern über das frühe Ableben Ayleens geäußert. Wir hatten alle keine Zeit und Gelegenheit, sie besser kennen zu lernen. Sie konnte uns gar nicht richtig ans Herz wachsen und ist schon tot. Apropos tot: der nächste Todesfall naht.

Uri Bülbül
Die Chance, dasselbe über ihn zu denken, hatte er Ayleen mit einem Stich genommen, bevor sie überhaupt begreifen konnte, was geschah, war sie schon aus der Welt. Ihre sterblichen Überreste gehörten nun Rufus. Und er füllte sie in seiner Phantasie wieder mit Leben, als hätte es den tödlichen Messerstich nie gegeben. Ayleen auf dem Arm hatte Rufus nicht die geringste Angst auf dem Weg in den Garten mit der ermordeten Rechtsanwältin gesehen zu werden. Man traf in diesem Garten niemanden an außer Frank Norbert Stein, den Hausmeister und Gärtner der Villa. Und Rufus dachte: «den hörigen Diener der Schwester Maja, für die er alles getan, sein Leben gelassen hätte, wenn sie es nur von ihm verlangte.» Maja aber interessierte sich nicht besonders für diesen «Quasimodo». Und nun sah Rufus die Gefahr aufkommen, dass Maja nur noch Augen für den Neuankömmling hatte. «Meister Frankenstein», wie Zodiac den Hausmeister nannte, würde deshalb schlechte Laune bekommen und diese sicherlich an Rufus auslassen. In derlei Gedanken vertieft und seine neue Geliebte anhimmelnd, die nun ihren Kopf wie schlafend an seiner Schulter hatte, während er ab und an zärtlich ihre Stirn küsste, erreichte er durch den Garten stampfend hinter einer hohen Koniferenhecke das Gartenhaus. Nun schulterte er seine Geliebte wie einen nassen Sack über der linken Schulter, die ihre Arme und Ihren Oberkörper hinter seinem Rücken baumeln ließ und schloss mit der freien Hand die Tür. Erst als er sie auf das Sofa gelegt hatte bemerkte er, dass sich seine Schulter etwas feucht anfühlte, was aber eigentlich zur Atmosphäre dieses Häuschens passte, in dem sich der Geruch von klammer Feuchtigkeit und einem Hauch von Moder verbreitete. Ayleen lag auf dem Rücken und legte ihre blutige Bluse bloß, das einen Servierteller großen Blutfleck aufwies. Jetzt erst wurde Rufus klar, dass sich seine Schulter deshalb feucht anfühlte, weil Ayleens Blut auch auf seiner Schulter klebte. «Ach mein Schatz, was hast du nur getan!» sagte Rufus in einem liebevoll verärgerten Ton. «Dann müssen wir uns erst duschen und uns frische Sachen anziehen. Ich habe Gott sei Dank alles hier.»
Als Luisa endlich nach Hause kam, war sie voller Tatendrang und Neugier. Ihre Eindrücke, die sie aus dem Theater mitbrachte, beflügelten sie, auch wenn sie noch nicht genau wusste, wozu sie so beflügelt war. Im Grunde spielte das eine sehr untergeordnete Rolle. Auch den Namen des Theaterleites hatte sie sich nicht gemerkt. Aber für sie war es eine ausgemachte Sache, dass sie dort ein Praktikum absolvieren würde. Und warum auch immer, hatte sie das unbestimmte Gefühl, dass zum Themenkomplex CASCANDO auch die Psychovilla gehörte, von der sie nur beiläufig gehört hatte. Aber das besorgte Gesicht der Dunkelhaarigen, ihre schier ängstlichen Blicke konnte Johanna einfach nicht vergessen. Um wen war diese Frau nur so sehr besorgt? fragte sich Johanna. Das musste doch heraus zu bekommen sein!

View more