@point_man hatte mich gewarnt: Zu viele Figuren, mehrere Handlungsstränge - das alles würde nur zur Verwirrung beitragen und das Verfolgen der Geschichte erschweren. Ja, das wird schon so sein. Aber hey, wir leben im 21. Jahrhundert benutzen wie ferngesteuerte Startrek-Crewmitglieder Smartphones...

Uri Bülbül
Plötzlich waren Luisas Bauchschmerzen wie weggeblasen: «Was ist das für eine Villa?» Aber noch ehe Johanna antworten konnte, klingelte wieder das Telefon. Johanna erkannte auf dem Display die Nummer und konnte nicht anders als angeekelt das Gerät wegzulegen. «Was will die Alte nur? Das ist ja schon richtig penetrant!» «Ich will das gar nicht wissen! Interessiert mich überhaupt nicht!» erwiderte Luisa. Es stach sie wieder unangenehm und schmerzhaft in ihrem Unterleib. «Wo waren wir stehen geblieben?» Johanna war jedes andere Thema lieber als das klingelnde Telefon. Für Luisa galt das allemal: «Bei dem Jungen, der an rosa Delphine glaubt und in der Psycho-Villa ein Loch in die Decke geschossen hat. Was ist das für eine Villa? Und was musstest du dort machen?» «Es ist ein Sanatorium für psychisch Kranke. Es wird von einem Professor geleitet, der auch für die Polizei arbeitet, forensische Gutachten schreibt und sich um noch ein paar Dinge, die polizeilich interessant sind, kümmert. Ich wusste zwar, dass es diese Villa gibt, aber ich selbst war noch nie dort. Da ich heute Zeit hatte, dachte ich, fahre ich mal hin und sehe mich dort um.» «Ist es weit von hier?» fragte Luisa ganz beiläufig. Der Himmel wollte von ihr, dass sie sich auch diese Villa ansah, denn warum sonst sollte ihr der Zufall derart in die Hände spielen? «Nein, es ist nur etwas abseits gelegen. Hinter dem Venusberg noch ein ganzes Stück, dort, wo der Hattinger Wald anfängt.» Johanna hatte noch nicht Verdacht geschöpft. Und das sollte auch so bleiben. Sofort überlegte Luisa, wie sie in den Hattinger Wald kommen konnte. Aber es war Zeit, das Thema zu wechseln. «Und Freddy? Ist er immer noch gemein zu dir?» «Warum nennst du diesen Bullen „Freddy“? Ich kann ihn nicht ausstehen. Ich weiß nicht, wie lange ich ihn noch als Partner haben muss. Aber vielleicht lasse ich mich irgendwann einfach versetzen, nur um ihn loszuwerden. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie übergriffig und brutal er manchmal vorgeht. Einfach so. Ganz grundlos kann er jemanden niederschlagen und ihm die Nase brechen.» «Ich kenne ihn ja kaum. Die paar mal, wo wir uns über den Weg gelaufen sind, machte er einen sehr netten Eindruck.» Johannas Blick ging zum Telefon; Wieder war dieser Ekel da, als sie die Nummer ihrer Eltern im Display gesehen hatte. «Ross erinnert mich an unseren Vater» brummte Johanna.
«Unser Vögelchen wird wach!» Uri Nachtigall hatte die Augen geöffnet; ihm war, als hätte jemand seine Stirn gestreichelt. Vielleicht aber hatte er es auch nur geträumt. Jetzt wünschte er es sich, dass er es nur geträumt hatte. Grell knallrot geschminkte Lippen, schwarz nachgezogene gezupfte Augenbrauen, die auf Linie getrimmt waren, ein buntes Kopftuch durchs Haar gebunden: Schwester Lapidaria! «Oh Gott!» entfuhr es ihm. «Mein süßer kleiner Vogel. Du kannst mich ruhig Schwester Maja nennen. Ich bin zwar Gott für dich, aber durchaus auch großzügig und freilassend. Also begnüge ich mich mit meinem weltlichen Titel:...

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