Eigentlich ist der Veröffentlichungsrhythmus des Fortsetzungsromans SOKRATES wöchentlich. Aber in den nächsten 4-5 Folgen, glaube ich, etwas schneller sein zu können. Den Link für den gesamten Text findet ihr oben in meiner Profilbeschreibung :) Folge 54:

Uri Bülbül
«Also, ich bin es bestimmt nicht, der „uns schreibt“», sagte Uri Nachtigall deutlich spöttisch. Er war nicht einmal verwundert darüber, dass ein kleiner Junge solche Gedankengänge haben konnte. Und das an sich ist doch schon sehr verwunderlich, oder? «Ich werde herausbekommen, wer uns schreibt, und dann mache ich dem Kerl etwas Druck!» sagte Basti. Ich werde ihm meine Smith&Wesson Special .357 MAG unter die Nase halten und ihm klar machen, dass er die Geschichte so nicht weiter schreiben kann, ich will andere Figuren, andere Handlung und mehr Action!» Uri Nachtigall lächelte und plötzlich hatte er einen Revolver an der Nase, der aussah, als hätte ihm jemand den Lauf abgesägt. «Ich könnte dich umpusten, kapierst du es jetzt, Blödmann?» «Was ist das? Hat da jemand den Lauf abgesägt?» fragte Uri Nachtigall. Aber er hatte seinen Satz kaum beendet, da ließ ein Schuss sein Trommelfell schier platzen. Sein Ohr fiepte und piepte und ihm war es schier unmöglich einen klaren Gedanken zu fassen und von der Decke rieselte Gips. Die Waffe war zweifelsohne echt. «Damit spielt man nicht!» schrie er empört. «Waffen gehören doch nicht in Kinderhände.» «Oh, diese schon - ist so handlich», antwortete Basti. «Maja wird dir die Waffe gleich wegnehmen», sagte Uri Nachtigall, was den kleinen Mann nicht zu beunruhigen schien: «Och, das glaube ich nicht. Ich werde herausbekommen, wer uns schreibt.» Damit wandte er sich zum Gehen. Doch an der Tür blieb er noch einmal kurz stehen: «Und wehe, wenn du das doch bist!» «Und wenn! Was willst du denn dann machen? Mir im nächsten Traum den rosa Delphin auf den Hals hetzen?» Der Junge kicherte und ging weiter, kam aber nicht weit. Plötzlich stand eine sehr entschlossen wirkende blonde Frau vor ihm, mit der er zusammenstieß, und ehe er sich versah, knallte eine heftige Ohrfeige, die seine Ohren betäubend klingen ließ und für einen kurzen Augenblick für ein Blackout sorgte. Zeit genug für die Kommissarin Johanna Metzger dem Rotzlöffel die Smith&Wesson aus der Hand zu reißen. «Das wird dir noch Leid tun!» schrie Basti empört und rannte die Treppen hinab. «Ja, vielleicht», brummte Johanna, «aber nicht so sehr wie, wenn ich nichts gemacht hätte!»
«Frau Kommissarin!» rief Uri Nachtigall erleichtert, worüber er sich selbst ein wenig wunderte; denn was gab es, sich darüber zu freuen, der Kollegin dieses wilden Bullen noch einmal zu begegnen, der ihm die Nase demoliert hatte. Doch wem der Schalk im Nacken sitzt, der kann schon nicht über ihn stolpern, wie er es irgendwo mal gelesen hatte, also fragte er: «Sind sie allein?» Johanna konnte sich das Lachen nicht verkneifen. «Ja», sagte sie, «heute schon.» Ihr Lachen erwärmte und ermutigte ihn, so dass er sich in diesem ihm von Schwester Maja zugewiesenen Zimmer zu Hause fühlte. Er bot Johanna einen Stuhl an. «Kommen Sie rein. Möchten Sie sich nicht setzen?» Als sie einander gegenüber saßen, blickte er sie erwartungsvoll und neugierig an.

View more