nö.

Blaubeerkuchenstück mit Sahne
Ja, ja, du bist ein sehr eigensinniger Kerl. Aber ich auch. Deshalb geht die 61. Folge des SOKRATES-Romans einfach so weiter:
Johanna schüttete sich ihre Tasse voll und nahm reichlich Milch dazu. Kälte kroch ihr von den Füßen durch ihre Beine langsam hoch in ihren Körper, weshalb sie sich kurz entschlossen mit ihrem Kaffee wieder ins Bett legte. «So viel Zeit muss sein», sagte sie sich. Außerdem konnte sie ja noch ein bißchen auf ihrem Tablet recherchieren bzw. das Buch dieses seltsamen Vogels lesen, bevor sie sich auf den Weg ins Büro machte.
«Paradieseologie: Das Paradies ist ein Traum, und verdient wie jeder Traum auf seinen Bezug zur Realität geprüft zu werden. Traumdeutung setzt immer voraus, dass Träume außerhalb ihrer eigenen Seinsstufe auch etwas zu bedeuten haben und mit unserer Wirklichkeit im Wachzustand verwoben sind. Wären Traumwelt und Wachwelt zwei völlig voneinander getrennte Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, müsste man sich keinerlei Gedanken über die Traumdeutung machen.» Da versucht sich der kleine Vogel in Logik, dachte Johanna und nahm eine kräftigen Schluck Kaffee. Der Blick auf die Uhr ihres Tablets verriet, dass sie sich noch eine gute halbe Stunde Zeit lassen konnte. Also las sie weiter: «Die Schöpfungsgeschichte, das Paradies und die Vertreibung aus dem Paradies sind aufgeschriebene Träume, worin auch eine Ahnung von Gott steckt, wobei dies keine theologische Abhandlung werden soll. Nicht um Gott, dessen Existenz und Existenzweisen soll es gehen. Fest steht, dass es ein Buch namens Bibel gibt und darin Texte und Geschichten existieren. Das ist der einzige Ausgangspunkt für die Paradieseologie, die weder die Existenz noch die Inexistenz Gottes behaupten will. Ihr Raum und ihr Gegenstand ist das Phantasma. Was denkt und malt sich der Mensch aus? Was setzt er an Ideen und Geschichten in die Welt? Und was hat er zuvor von der Welt empfangen, was ihm als Samen für all das diente, was er in die Welt gesetzt hat?
Die Paradieseologie kommt um das Thema Traum und Wirklichkeit nicht herum. Und der Begriff der Wirklichkeit verdient dabei eine genauere Betrachtung.» Zur Sache, Schätzchen, komm endlich zur Sache, ging es ungeduldig Johanna durch den Kopf und sie nahm den letzten Schluck Kaffee aus ihrer Tasse. Das Vögelchen wollte also die Schöpfungsgeschichte wie einen aufgeschriebenen Traum behandeln und deuten. Und wie ein Psychoanalytiker wollte er wahrscheinlich damit in die dunklen Ecken der Seele schauen. Was hatte der Apfelbaum zu bedeuten? Die Schlange? Warum schwebte Gott über den Wassern? Was hatte die Leere des Universums vor der Schöpfung zu bedeuten? Hoffentlich hast du auf all meine Fragen eine Antwort, Vögelchen, dachte sie scherzhaft. Irgendwie machte es ihr Freude beim Lesen an ihren Delinquenten mit der gebrochenen Nase zu denken. Ärgerlich zuckte sie zusammen, weil das Telefon klingelte. Ohne auf das Display zu schauen, nahm sie dieses Mal den Anruf an: «Was willst du?

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