Eines ist ganz klar: diese Woche kann mit der 65. Folge des kafkASKen Fortsetzungsromans SOKRATES beginnen. Luisa im Deutschunterricht und eine unversöhnliche Deutschlehrerin. Ich mache keinen Hehl daraus; ich mag diese Lehrerin nicht!

Uri Bülbül
Er hatte noch nie etwas von diesem Irrenhaus gehört, wovon sie sprach und was sich auf dem besagten Anwesen befinden sollte. Er wollte nicht mitfahren, weil er noch Schule hatte und auf gar keinen Fall schwänzen durfte. Aber bis zum frühen Nachmittag konnte er ihr sein Moped leihen. «Du darfst nur nicht vergessen zu tanken», hatte er sie ermahnt, weil er schon auf dem Schulweg auf Reserve schalten musste. «Ja, ich muss Stoffel recht geben! Zwei nackte Männer in irgendwelchen Faltbooten – dieses Gedicht war weder schön noch mit Inhalt. Und mit Sozialismus hatte das auch nichts zu tun. Das ist doch wirklich an den Haaren herbei gezogen und dieser Müller kreist nur um sein pseudomaterialistisches Ego.» Mit diesem Beitrag hatte sie Stoffelchen auf jeden Fall nicht enttäuscht, wenn sie natürlich auch sich nun als Blitzableiterin der Kübel zur Verfügung gestellt hatte. «Ah, Luisa, dein pseudointellektuelles Gewäsch konnte ja jetzt nicht ausbleiben, nicht wahr? Mit einem Ohr beteiligst du dich zwar am Unterricht, aber mit deinen anderen Sinnen bist du ganz woanders. Bevor wir diese Diskussion weiter führen, konfisziere ich erst einmal dein Handy.» Und ehe Luisa reagieren konte, war die Deutschlehrerin bei ihr und riss ihr das Smartphone aus der Hand. «Na? Ein Liebeschat über Whatsapp?» fragte sie mit sadistischer Genugtuung. Als sie aber einen Blick auf das Display warf, huschte eine Spur von Irritation über ihr Gesicht. Sie ging zum Lehrerpult und verstaute vorsichtshalber das Telephon in ihrer Tasche. «So und widmen wir uns ganz konzentriert dem Gedicht „Herzkranzgefäß“»
http://youtu.be/8dOh0vdmoM8
«Das ist nicht einmal Abitursstoff. Sie verplämpern unsere Zeit!» protestierte Stoffelchen, aber in der Lehrerin war längst die Bestie erwacht. Jetzt musste Luisa wirklich etwas unternehmen; die Situation drohte aus der Kontrolle zu geraten. «Sowohl Brecht als auch Heiner Müller inszenieren sich selbst, sie stilisieren sich zu Dichtern des deutschen Sozialismus. Und wir Schüler müssen das einfach schlucken. Das ist alles. Aber warum sollen wir das tun, wenn es nicht einmal Abitursstoff ist?» «Erstens ist es Klausurstoff, mein vorlautes Fräulein, zweitens versuchst du nur eine Pseudodiskussion anzuzetteln, und es geht dir überhaupt nicht um Inhalte und Wahrheit und drittens gehört zur jüngsten Geschichte Deutschlands auch die Zeit nach 1945 bis 1989 dazu. Für diese Zeit ist eine der wichtigsten Symbolfiguren in Theater und Literatur Heiner Müller!» Die Sphinx zeigte ihre Kralle, jetzt weißt du, wo die Macht wohnt.

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