An Sonderwünschen des @Maulwurfkuchen , was alles in die Geschichte um Johanna Metzger, Uri Nachtigall, Luisa, Zodiac und vielen anderen soll, mangelt es nun wirklich nicht. Ich würde mich auch über andere Zurufe freuen, die SOKRATES thematisch bereichern. Hier Folge 66...

Uri Bülbül
Doch noch ehe Rosenberg-Kübel weiter sprechen konnte, um ihren Angriff auf Luisa und Christoph erfolgreich zu vollenden meldete sich eine weitere Stimme aus der Klasse: «Ist die wichtige literarische Symbolfigur für die Teilung Deutschlands nicht Wolf Biermann gewesen?» Marie, die sonst sehr stille und teilnahmslose Marie – und plötzlich war sie da und sprang den beiden so unerwartet zur Seite, dass sie die Kübel sichtlich irritierte. Justus, der sich auch nicht mehr zurückhalten wollte, hätte sich seinen dämlichen Kommentar schenken können, aber er schadete damit auch nicht weiter, als er sein Gebrumme mit «Das Schaf im Wolfspelz» in den Raum warf. Immerhin kicherten einige. Und es war schließlich allgemein bekannt, dass die Kübel auf Biermann stand. Luisa konnte sich an eine kolportierte Geschichte erinnern, dass sie mit ihm einen One-Night-Stand gehabt haben sollte, «damals in Mutlangen», als sie gegen die PershingII-Raketen der Nato protestierten. Die Sphinx mit der ausgestreckten Kralle durfte sich nun schön in eine dämliche Krähe verwandeln, die ein wenig krächzen und herumflattern konnte, ohne etwas Großartiges mehr damit bewirken zu können. «Ja, zweifellos ist Biermann auch eine wichtige Symbolfigur. Aber nun sind wir einmal bei Heiner Müller und eben nicht bei Lyrik und Gesang, sondern bei Literatur und Theater.» Aber Christoph konnte es wirklich nicht lassen, ihr den geordneten Rückzug zu mißgönnen: «Aber wir sind schon auch bei der Lyrik mit „Herzkranzgefäß“». Sie würde aber nun, Rückzug hin und geordnet her, ihre Wut schon an einer Stelle auslassen, die dieser widerlichen Luisa, die ihren Eigensinn auslebte, schon empfindlich Weh tat. Niemand ahnte von ihnen, wie empfindlich sie Luisa mit ihrem Schachzug, ihr das konfiszierte Telephon nicht mehr auszuhändigen, tatsächlich traf.
«Ich werde Ihnen Ihr Handy bestimmt nicht aushändigen. Vergessen Sie's», schrie sie am Ende des Unterrichts. Die anderen Schüler hatten das Klassenzimmer schon verlassen. Nur Stoffel wartete noch im Flur und in einiger Entfernung von ihm kramte Marie noch in ihrer Tasche und schien etwas zu suchen. Christoph aber beachtete sie kaum. Er war gespannt auf Luisa. «Ihre Mutter kann das Handy in meiner Sprechstunde abholen. Ich muss dringend mit ihr über Ihr unmögliches Verhalten sprechen. Schließlich geht es um Ihre Zukunft!» «Was ist mit meiner Zukunft? Sind Sie Deutschlehrerin? Oder Hellseherin? Oder was? Ich möchte jetzt sofort mein Smartphone wieder haben! Sie haben kein Recht, es mir wegzunehmen. Das ist ein erheblicher Eingriff in meine Privatsphäre. Und das steht Ihnen nicht zu.» «Schluss mit der Debatte! Ich will Ihre Mutter oder Ihren Vater bei mir in der Sprechstunde sehen. Und fertig. Und wenn Sie der Meinung sind, dass ich hier etwas mache, was mir nicht zusteht, steht Ihnen der Weg zur Schulleitung und zu einer Beschwerde dort offen! Jetzt behelligen Sie mich nicht weiter in meiner kurzen kleinen Pause und verschwinden Sie aus meinen Augen!»

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