öffne mir die tür

Geht nicht, böser Wolf! Du willst mich alten Schafkopf nur auffressen und ich schreibe gerade an der 68. Folge des SOKRATES: Luisa ist unterwegs in die Psychovilla...
Ich wusste gar nicht, dass diese Dinger so teuer sein können, ging es ihr durch den Kopf und sie hielt es irgendwo, da nun auch die Wirkung des Traumes, den sie gehabt hatte, im Laufe des Tages nachließ, für eine abergläubische Laune von sich. Sicher ist sicher, sagte sie sich, der Traum war sehr eindringlich und zu lebendig, um ignoriert zu werden, ein rosaner Delphin, der ihr sagte, sie solle es nicht wagen, ohne seine gelben Legosteine bei ihm in der Psycho-Villa auftauchen, er wolle unbedingt gleichzeitig ein gelbes Bananenauto und ein Legokamel bauen. Sie fragte ihn völlig erstaunt: «Wer bist du? Lebst du auch in der Psycho-Villa?» «Was für eine Frage! Ich würde dir doch nicht sagen, du sollst die Legosteine mitbringen, wenn ich nicht dort leben würde! Sie müssen gelb sein. Gelbe Legosteine – denk daran!» Sie hätte diesen Traum vielleicht zu ignorieren gewagt, wenn nicht am frühen Morgen noch die Begegnung mit ihrer Schwester gewesen wäre, die auch von einem Traum mit einem rosa Delphin zu erzählen wusste. Dieser Zufall erschien ihr sehr unheimlich; wenn sie die Legosteine in der Villa nicht brauchte, konnte sie sie immer noch einem Kindergarten schenken, wo Marie ein Praktikum zu machen gedachte. Marie – dieses Mauerblümchen, und plötzlich sprang sie ganz unverhofft Stoffelchen und ihr zur Seite. Auch wenn es letztendlich nichts geholfen hatte gegen diese Krähe, die sich für eine Sphinx hielt, war es doch auf dem ersten Blick sehr nett von Marie. Nun aber, da es ihr ein zweites Mal durch den Kopf ging, bemerkte Luisa, dass Marie womöglich gar nicht so uneigennützig gehandelt hatte. Schon wurde ihre Aufmerksamkeit aber von der Navigation beansprucht. Sie war durch das Fachwerkdorf gefahren und sollte nun den Weg durch den Wald einschlagen, wo die Straße feucht, rutschig und dunkel wurde. Zugleich meldete das Smartphone, dass der Ladezustand des Akkus nun kritisch wurde. Nach Hause werde ich schon finden, dachte sie, dafür brauchte sie keine Navigation. Also gab sie Gas, um so schnell wie möglich das Landschloss des Doctor Parranoia zu erreichen. Es wurde sehr kurvig und ging immer tiefer in den Wald hinein; die Navigation zeigte noch einige hundert Meter, wonach es nach rechts gehen sollte. Luisa war sehr gespannt und aufgeregt. Hier roch alles nach Abenteuer. Als sie wieder auf die Navigation schauen wollte, bemerkte sie, dass der Akku des Handys seinen Geist aufgegeben hatte. Aber so sehr tiefgreifend mochte sie das nicht beunruhigen, weil es nicht so viele Abbiegegelegenheiten hier geben konnte. Sie drosselte ihre Geschwindigkeit, während sie im Rückspiegel einen alten schwarzen Mercedes näher kommen sah. Das Moped wurde noch langsamer und sie hielt sich so weit es ging rechts, um den Wagen vorbei zu lassen. Dennoch erdreistete sich der Fahrer, sie beim Überholen anzuhupen.

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