SOKRATES - Der kafkASKe Fortsetzungsroman Teil 73: Alles, was ich auf Vorrat geschrieben hatte, ist nun aufgebraucht, dachte ich. Aber heute sind weitere zwei Folgen entstanden, die mir schon seit längerem im Kopf herumspukten. Es wird Zeit, sie mit euch zu teilen...

Uri Bülbül
Psychisch krank? Ein seltsames Gefühl beschlich ihn so, als müsste er sich an etwas Wichtiges aus seinem letzten Schlaf erinnern. Aber es war ihm durch die lange Wachphase schon zu weit entrückt. «Schmeckt dir dein Essen nicht?» fragte Betty und holte ihn damit aus seinen Gedanken an den Mittagstisch zurück. «Hmm? Was? Doch, doch, das Essen schmeckt prima», sagte Uri Nachtigall. «Ich mag kein Kohl!» brummte Basti, als wollte er auch unbedingt gefragt werden. Den Kohl rührte er nicht an; dafür aß er aber drei Portionen vom Nachtisch. Über seinen Appetit mussten die Frauen und Uri schmunzeln. Basti sah plötzlich böse von seinem Teller auf und fragte: «Ist was?» Während Uri nicht wusste, wie er reagieren sollte, schüttelten Lara und Betty beschwichtigend und freundlich den Kopf: «Nein, nein, alles in Ordnung. Wir freuen uns nur über deinen Appetit.» «Ihr habt nichts davon. Ich weiß gar nicht, warum ihr euch so freut.» «Das ist einfach ein soziales Gefühl. Man isst gemeinsam an einem Tisch und freut sich, wenn den anderen das Essen auch schmeckt. Das fördert das Wohlbefinden», erklärte Lara. Basti sah sie mißtrauisch an: «So, so, das Wohlbefinden! Ich werde euch heute nicht beim Abräumen des Tisches helfen. Ich muss mich gleich um meinen Besuch kümmern. Da stimmt irgendetwas nicht!» Betty sah, dass Uri etwas sagen wollte und reagierte schnell: «Kein Problem! Geh du nur! Wir machen das schon.» «Was stimmt mit ihm nicht?» fragte Uri, nachdem er abgewartet hatte, bis Basti den Speisesaal verließ. «Wir haben doch alle unsere Macken, oder?» fragte Betty streng zurück. Lara stand auf und begann abzuräumen. Uri beschloss, es ihr gleich zu tun. Manche Dinge brauchten ein wenig mehr Zeit und Geduld, aber auch Aufmerksamkeit. Menschliche Geheimnisse ließen sich nicht schlagartig und schon gar nicht unter Zwang lüften. Er würde den Dingen schon auf den Grund gehen. Aber er durfte nichts übereilen. Gerade als er mit dem Tischabwischen fertig war, stellte sich Betty zu ihm: «Wir machen gleich noch einen kleinen Spaziergang durch den Garten und den Park; hast du Lust mitzukommen?»
Luisa fluchte und schwitzte. Das Moped auf dem Schotterweg war schwerer zu schieben, als sie es sich gedacht hatte. Schon nach zwanzig Metern musste sie keuchen, machte noch ein paar Schritte und blieb dann stehen für eine kleine Erholungspause. Sie sah sich ein wenig um: rechts und links vom Weg ging der Wald tief und dunkel ab; vor ihr zog sich der Schotterweg. Sie hatte keine Ahnung, wie weit es noch bis zur Psycho-Villa war. Sie ärgerte sich über Stoffel: nichts machte dieser Typ wirklich richtig! Das Handy nicht aufgeladen, der Tank seines Mopeds leer! Wie oft war es schon vorgekommen, dass er seine Hausaufgaben zwar gemacht, dann aber auf dem Küchentisch hatte liegen lassen? So etwas konnte wirklich nerven! Und die stille Marie ging ihr auch auf die Nerven. In letzter Zeit scharwänzelte sie zu sehr und zu auffällig um Stoffel herum. Sie wollte doch etwas von ihm.

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