Basti ist vor dem Gartenhäuschen, in dem sich Ayleen befindet, eingeschlummert. Wir wissen immer noch nicht, was er in seinen Träumen alles erleben wird. Betty, Lara und Uri gehen gemächlich spazieren und unterhalten sich, Luisa ist noch immer auf dem Weg zur Villa und Johanna ist bei ihrer Mutter..

Uri Bülbül
SOKRATES, der kafkASKe Fortsetzungsroman Folge 85:
Johannas Mutter war einfach geistesabwesend; in ihren Gedanken und Erinnerungen beim vergangenen Abend, als Franz-Joseph das Haus verlassen wollte und ihr mal wieder Lügenmärchen auftischte: Reiseantrag, Nederkorn, tragende Betonsäulen – alles einfach nur ein Lügenkomplex. Sonst nichts. Selbst wenn es die Betonsäulen wirklich gab, so dass man sich den Schädel daran weichschlagen konnte, blieb alles zusammen genommen ein Lügenkomplex.
«Vorher muss ich aber noch zur Baustelle und den Antrag offiziell beim Chef abgeben, damit der den Brief, zusammen mit allen anderen, direkt zur Zentrale schickt», führte er seine Erklärung fort. «Tschüs, Ica», rief er in ihre Richtung, während er seinen Schlüsselbund suchte. Sie antwortete nicht. Er sah noch ein letztes Mal in den Spiegel und ging aufgeregt durch die Haustür. Sie hörte das Anlassen des Motors und schaute durch das Fenster nach draußen. Ihren Spitznamen hatte er genannt. «Ica». Sowie sie den vorbeifahrenden Wagen hörte, rannte sie die Treppe hoch in ihr Arbeitszimmer. Ica schaltete hastig das Licht ein und öffnete ihren Kleiderschrank. Unter einem Regenmantel fand sie ihren Werkzeugkoffer aus ihrer Ergotherapie-Praxis, den sie als Ersatz bei sich zu Hause hatte. Sie lächelte bei dem Gedanken, dass sie sich mal geschworen hatte, Berufliches und Privates nie zusammenzubringen. Eine bessere Gelegenheit bot sich bisher nie an. Andererseits hatte sie ihren Gatten erst durch die Arbeit kennengelernt. Er klagte vor über zwanzig Jahren über heftige Rückenschmerzen. Der Ordnung halber kniete sie sich hin und öffnete ihren Koffer. Dabei fiel ihr Blick auf einen Hammer mit Metallspitze, eine Laubsäge, eine Ahle und einen Seitenschneider. Staunend nickte sie und schaute dabei auf ihren Hammer. Es klingelte. Hektisch legte sie ihren Hammer wieder zurück in ihren Koffer und stand auf. Sie nahm ihren Regenmantel und ihren Koffer mit und machte das Licht aus. Zügig schritt sie die Treppe hinunter. Unten angekommen legte sie nebenbei ihre Haare zurecht und stolperte. Sie war betrunkener als sie dachte und stützte sich an der Küchentheke ab. Sie schritt zügig zur Haustür, legte ihre dunklen Locken zurecht und sah vorwurfsvoll auf die Uhr. Es war viertel nach neun. Im Vorbeilaufen sah sie in den Spiegel und nahm einen großen Schluck Gin aus ihrem Glas. Erneut legte sie ihre Haare zurecht und öffnete die Tür. «Guten Abend Mama», begrüßte sie Johanna, die den Tränen nahe war.
Wunschtraum! Es war nicht Johanna und niemand war den Tränen nahe. Ihre Nachbarin hielt einen Schlüsselbund hoch. «Guten Abend, Frau Metzger, Ihr Mann hat seinen Schlüsselbund beim Einsteigen ins Auto verloren und nichts bemerkt.» Der kleine Hund an der Leine wollte an Icas Beinen schnuppern. Sie unterdrückte den Reflex, nach dem Köter zu treten, und wich einen kleinen Schritt zurück. Die Nachbarin lächelte verlegen, während sie den Hund ohne Strenge zurecht wies.

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