Der 3. Mai 2015 ist ein Tag, an dem sehr seltsame Dinge geschehen können. Eine Menge mysteriöser Fragen ist aufgeworfen: War gestern Vollmond? Warum hat Basti @Maulwurfkuchen seinen Account deaktiviert? Wird Luisa je die Psycho-Villa erreichen? SOKRATES - Teil 90...

Uri Bülbül
Das Büro des Oberstaatsanwalts war verschlossen, Kriminalreit Reiniger war zu einer Besprechung beim Polizeipräsidenten, folglich hatte auch der Polizeipräsident Dr. Alfons Albermann keine Zeit für den Rechtsanwalt, der aber nun sehr neuigierig geworden unbedingt versuchen wollte, heraus zu bekommen, was passiert war. Die Assistentin des Polizeipräsidenten tat so, als sei alles in bester Ordnung und überhaupt nichts ungewöhnlich. Für ein kleines Schwätzchen aber, hatte sie überhaupt keine Zeit. Kaum hatte sich Kolbig abgewandt, um sich einen anderen Gesprächspartner zu suchen, der hilfsbereiter und auskunftswilliger war, griff sie zum Telefon und rief an der Pforte an, man möge den Rechtsanwalt Kolbig aus dem Präsidium begleiten. Er habe heute hier nichts zu suchen. Kolbig machte sich auf den Weg ins Vermisstendezernat, wo er eigentlich seine Anzeige aufgeben konnte. Doch er kam nicht so weit. Zwei uniformierte Beamtinnen traten zu ihm: «Herr Rechtsanwalt Kolbig?» Überrascht nickte er. «Können wir Ihnen weiter helfen? Wir sind damit beauftragt, sie nach Erledigung Ihrer Geschäfte aus dem Haus zu geleiten.» «Darf ich erfahren, was hier los ist?» «Nichts Besonderes. Heute sind Herrschaften im Haus, die erhöhte Sicherheitsbereitschaft erfordern. Wir sind angehalten, die Anzahl der Personen im Gebäude so niedrig wie möglich zu halten.» Mehr war für Markus Kolbig nicht zu erfahren. Im Vermisstendezernat gab er seine Anzeige auf; alles wurde genauestens protokolliert, er wurde gebeten noch ein Foto seiner Kollegin nachzureichen, und dann begleiteten ihn die Polizistinnen ohne weitere Wortwechsel hinaus. Wieder in der Kanzlei angekommen, befahl er harsch der Gehilfin ihn mit Hardenberg-Investigationen zu verbinden. Die aufgebrachte Stimmung ihres Chefs war nicht zu übersehen. Dabei war er ruhig und zuversichtlich zum Gericht aufgebrochen; der Fall, den er dort zu vertreten hatte, schien unkompliziert. Sie hatte zwischenzeitlich wieder mehrmals versucht, Ayleen Heersold zu erreichen. Das Handy aber blieb ausgeschaltet und zu Hause ging auch niemand ans Telefon. Dafür aber meldete sich jetzt unter der Nummer der Hardenberg-Investigationen eine männliche Stimme, die etwas verschlafen, etwas zerstreut wirkte: «Ja, hallo?» «Hier ist die Rechtsanwaltskanzlei Kolbig und Partner. Ich verbinde Sie mit Herrn Kolbig, einen Moment bitte... Herr Kolbig? Herr Hardenberg am Telefon...» Es kam nur ein unhöfliches und ungeduldiges «Stellen Sie endlich durch!» zurück. Der Rechtsanwaltsgehilfin war nach Heulen zumute.
Es war auch Luisa nach Heulen zumute. Mit Unterleibsschmerzen und Blasen an den Füßen schleppte sie sich Meter für Meter vorwärts, das Moped mit dem leeren Tank wurde von Meter zu Meter schwerer und sie wusste nicht, ob sie auf dem richtigen Weg war und wie weit die Villa noch entfernt sein mochte. Warum überhaupt hatte sie sich auf diesen Weg gemacht? Mit gesenktem Kopf schob sie das lästige Fahrzeug, wobei sie nur noch auf ihre Füße starrte.

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