Basti @Maulwurfkuchen bombardiert mich mit seinen Lieblingsantworten. Bin ich froh, dass er wenigstens im Fortsetzungsroman SOKRATES schläft, wovon jemand mir geschrieben hat, der Titel würde ihn anschreien. Dabei haben die Großbuchstaben doch einen schönen Wiedererkennungseffekt :( Teil 94...

Uri Bülbül
Er soll sich aber noch zur Verfügung halten.» Die Sekretärin sah irritiert und Hilfe suchend zu Doktor Albermann. Dieser aber hatte Kontrolle und Herrschaft abgegeben – über sich, über sein Büro, ja auch über sein Leben. Sollte doch geschehen, was wollte; er konnte es doch nicht aufhalten!
Doktor Leopold Lauster kam, klopfte kurz an, betrat das Büro des Polizeipräsidenten, der alles abgegeben und losgelassen hatte und sich so frei wie im freien Fall fühlte. Ja, dann sollte doch Leopold Lauster kommen – warum auch nicht? Ihm war alles egal und recht, recht und egal, am Ende recht egal. Leopold Lauster erblickte den Sonderbeauftragten und schritt mit offenen Armen auf ihn zu: «Arthur, mein Lieber! Wie schön dich zu sehen! Mein Gott, was für eine Karriere!» Die beiden Männer umarmten sich: «Hallo Leopold, ach was! Nicht der Rede wert!» «Oh doch, mein Bester! Und ob das der Rede wert ist! Direkt aus der Weimarer Klassik in die höchsten Kreise der größten Geheimnisträger! Und das allergrößte Geheimnis ist: wie macht er das bloß?» Arthur lächelte bescheiden. Und Alfons Albermann hatte ein sehr genaues Gefühl davon, wie diese Frage zu beantworten sei. Aber er bekam den Mund nicht auf und schwitzte statt dessen blöde vor sich hin, während es in seinem Hirn einen einzigen Satz immer wieder hämmerte: «Franz-Joseph Metzger ist tot!» Und dann stand noch die Frage des Sondergesandten aus dem Ministerium im Raum: «Ist das ein Polizeipräsidium oder ein Klatschcafé?» Und genau diesen Satz brüllte er nun unvermittelt aus sich heraus, schleuderte ihn gegen den unerträglichen Frohsinn des Oberstaatsanwalts. Dieser sah ihn mit offenem Mund und vor Staunen weit aufgerissenen Augen an: «Alfons, mein Lieber», brachte er endlich heraus: «Was ist mit dir?» Arthur lächelte milde und beschwichtigend. Dann kam aus seinem Mund, als wäre es eine nebensächliche Bemerkung wie etwa: «Morgen könnte es regnen» «Franz-Joseph Metzger ist tot. Er ist von einer Beamtin aus diesem Präsidium erschossen worden – genau genommen von seiner eigenen Tochter.» Leopold Lauster hätte vom Schlag getroffen tot umfallen können, er stand da, und es schien wirklich mehr als angebracht, nach dem Notarzt zu rufen. Wortlos ließ er sich erst einmal auf einen Stuhl fallen. Dann kam nur noch ein «Oh mein Gott!» Mitleidig sah er zum Polizeipräsidenten: «Das war's dann wohl, Alfons!» Arthur widersprach: «Nein, das war's nicht – noch nicht. Niklas Hardenberg ist unterwegs, im Präsidium herum zu schnüffeln!» erklärte lispelnd der Geheimagent. In diesem Augenblick kam der Dezernatsleiter Oberkriminalrat Reiniger. «Herrschaften! Was sind das nur für Nachrichten! Ich kann es nicht fassen! Ich werde dieses Miststück eigenhändig erschießen! Ihren eigenen Vater! Sie hat ihren eigenen Vater kaltblütig niedergestreckt und dann auch noch auf ihn gespuckt. Ich kann es einfach nicht fassen. Unfassbar ist so etwas! Sie, Dr. Lauster, müssen sofort Haftbefehl beantragen und diese Bestie einsperren!»

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