SOKRATES der kafkASKe Fortsetzungsroman Teil 95...

Uri Bülbül
Er hat wenigstens einen klaren Standpunkt, dachte Arthur und beobachtete die Reaktionen der Männer. Der Oberkriminalrat erwiderte scharf Arthurs Blick: «Sie sind der Mann aus dem Ministerium?» Nicht ein Hauch von Furcht oder Ehrfurcht schwang in seiner Stimme mit. «Ziemlich Jung für solch eine Aufgabe. Ein Karrierist?» Arthur verdrehte die Augen und winkte elegant ab: «Nicht jeder kann sich stolz rühmen, einen Herrn Doktor Alfons Albermann als Präsidenten vor die Nase gesetzt bekommen zu haben!» versetzte Arthur mit äußerster Gelassenheit und Klarheit in der Stimme wie im Ausdruck. «Wir werden sehen, was aus dieser Krise alles erwächst», murmelte der Oberkriminalrat. Genau das aber wollte eigentlich niemand in diesem Büro wirklich sehen und erleben! Es war zweifellos ein Super-GAU.
Johanna versuchte mehrmals, ihre Schwester zu erreichen. Der Verhörmist, war zunächst einmal vorbei. Sie hatte alles Detail getreu erzählt, hatte sich auch eine Speichelprobe nehmen lassen und den kleinen Revolver, den sie Basti abgenommen hatte, abgegeben. Dienstwaffe und Dienstausweis hatte sie behalten können. Sie war also nicht vom Dienst suspendiert, was aber noch kommen konnte. Ein Psychologe sollte sich noch mit ihr unterhalten. Aber noch war er nicht in ihrem Büro aufgetaucht. Alfred Ross hatte sie erst einmal allein gelassen, weil er unbedingt bei der Spurensicherung in ihrem Elternhaus dabei sein wollte. Das Paket, was ihre Mutter Johanna übergeben hatte, hatte er sorgfältig in seinem Auto verstaut und nicht der Spurensicherung überlassen. So oft sie auch Luisa anrief, immer klingelte es sechsmal, bis dann der Anrufbeantworter ansprang. Das war zwar ein wenig ungewöhnlich für Luisa; aber auch nicht recht beunruhigend für Johanna, da sie ihre Schwester in der Schule vermutete. Sie hatte keine Lust, ihren Bericht zu schreiben. Statt dessen gingen ihr Fragen durch den Kopf, wie etwa, ob ihr Vater in der Sado-Maso-Szene der Stadt eine bekannte Figur sein könnte. Auch war sie sehr neugierig auf die Freundin ihres Vaters, von der ihre Mutter ihr erzählt hatte. Sie sei ihm in einer Nacht in seine „Liebeshöhle“, wo seine Mätresse wohnte, gefolgt. Sie sah auf ihre Uhr, beschloss noch eine Viertelstunde auf den Polizeipsychologen zu warten und wenn er bis dahin nicht kam, sich auf den Weg zu dieser Mätresse zu machen. Was hatte dieses Schwein nur für ein Leben geführt? Wessen Leben hatte er noch versaut? Zwischendurch wählte sie wieder Luisas Nummer. Dieses Mal wurde der Anruf angenommen und Johanna wollte schon erleichtert aufatmen, als sie völlig überrascht eine fremde Stimme hörte, die ihr irgendwie aus der Ferne bekannt vorkam, die sie aber nicht einordnen konnte. «Ich bin nicht Luisa, ich bin Luisas Deutschlehrerin Sophie Rosenberg-Kübel!» «Was machen Sie am Handy meiner Schwester?» fragte Johanna empört. «Ich musste Ihrer Schwester leider das Handy konfiszieren! Sie hat im Unterricht damit gespielt!»

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