Der Epikureismus ist erklärt, weitere und weiterführende Erklärungen werden folgen. Aber nun folgt mir erst einmal in die Traumwelt im kafkASKen Fortsetzungsroman. Die Folge 100 ist nun da... Und wie versprochen führe ich Leyla ein, eine wunderbare Frau, die die nächsten Folgen rocken wird :)

Uri Bülbül
Es war nicht ihr kriminologischer Glanztag: jemand konnte einfach die Tür zugezogen und den Schlüssen innen vergessen haben. Als sie diesen Gedanken hatte, musste sie über sich selbst grinsen. Aber bei dem, was sie in der Wohnung an Utensilien für Sado-Maso-Spielchen fand, verging ihr das Grinsen wieder. Nippelklemmen, Gewichte, Halsbänder, Peitschen, Fesseln, Knebel, Handschellen, Masken, Käfige und Fotoapparate und Kameras. Sie zog sich schnell Gummihandschuhe an und inspizierte die Apparate in der Hoffnung, Aufnahmen zu finden. Die Speicher aber waren so leer wie die Wohnung. Dafür bemerkte sie auf einem Schraubstock Blutspuren. Die Spurensicherung musste gewisslich verständigt werden, aber gerne hätte sie sofort die andere Person ausfindig gemacht, die vielleicht ein Opfer ihres Vaters war oder ein Komplize. Bevor sie sich entscheiden konnte, was zu tun sei, hörte sie jemanden an der Wohnungstür am Schloss hantieren. Sie zückte die Pistole und war bereit, den Neuankömmling zu überraschen. Doch die Überraschung blieb ganz auf ihrer Seite.
Lara, Uri Nachtigall und Betti näherten sich dem Gartenhaus. Lara war ein paar Schritte vorausgegangen und rief plötzlich: «Hier liegt Basti! Mama, hier liegt Basti vor dem Haus!» Die beiden rannten sofort zum Eingang. Betti beugte sich wie eine geschulte Krankenschwester über den jungen Mann am Boden, fühlte seinen Puls und richtete sich beruhigt auf, ohne aber die Fragezeichen aus den Gesichtern der beiden anderen wegwischen zu können: «Er schläft ganz tief. Er leidet an Narkolepsie. Man muss ihn einfach schlafen lassen, bis er gleich aufwacht. Meistens dauaert so etwas nur ein paar Minuten – höchstens.» Irgendeine fremde Stimme war in Bastis Kopf und ließ ihn als Delphin nicht in Ruhe. Dabei wollte er aus dem Flussdelta am Strand von der Seligeninsel hinaus aufs Meer zu Ophelia, seiner Mutter, schwimmen. «Alles leere Versprechungen. Er hat es nur so daher gesagt. Er will mich gar nicht in seinen Roman einbauen – und schon gar nicht als Leyla, die schönste und intelligenteste Frau weit und breit, die ungekrönte Prinzessin des Theaters. Ein Faszinosum, eine gigantische Persönlichkeit, die Leuchte des Theaterbetriebs schlechthin!» «Lass mich in Ruhe, Leyla!» brummte Basti. «Ich habe keine Zeit für dich! Ich suche Luisa! Weißt du, wo Luisa steckt?» In diesem Moment erschien Kohlewittchen am Strand; sie hatte eine Violine in der Hand und begann zu spielen. Leylas glänzende dunkle Augen nahmen Anteil an Basti, etwas in seiner Stimme rührte sie. Leyla wollte diesem seltsamen Wesen helfen: «Ist sie das – dort am Strand? Schau mal, Kleiner!» «Nenn mich nicht „Kleiner“!» herrschte Basti Leyla an. Leyla war eine Frau mit einem sehr zarten und sensiblen Gemüt, aber sie war nicht überempfindlich, wenn sie merkte, und das passierte recht schnell, aus welchem Grund ihre Mitmenschen mißmutig waren. «Wie kann ich dir nur helfen, Basti?» fragte sie mitfühlend. So war Leyla: ihre Sensibilität erschöpfte sich nicht bei sich.

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