Ein rosa Delphin in einem rosa Fluss auf der Insel der Seligen, steuert mit Leyla direkt auf einen Wasserfall zu. Leyla will ein funkelnder Diamant sein; der schönste Stern des Theaters. Indessen kommt es in der konspirativen SM-Wohnung zu einer seltsamen Begegnung. SOKRATES Teil 101...

Uri Bülbül
Basti schwamm in einem rosa Fluss flussabwärts. Die Strömung wurde stärker und er immer schneller. «Wieso bin ich jetzt in einem rosa Fluss?» fragte er sich laut. Ich war doch gerade eben noch auf dem Meer, hatte die Seligeninsel hinter mir gelassen. Er wollte unbedingt seine Mutter Ophelia treffen. Er hatte etwas ganz Wichtiges und Dringendes mit ihr zu besprechen? «Was ist es denn nur, was du mit deiner Mama besprechen musst, Kleiner?» fragte Leyla. «Lass mich in Ruhe, sonst komme ich nie aus diesem Fluss. Die Ströumung wird immer stärker, womöglich liegt ein Wasserfall vor uns!» «Bist du der funkelnde Stern des unterirdischen Theaters?» fragte Basti. «Ein Stern unter vielen, die alle Sonnen sind», meinte Leyla und es klang fast melancholisch. «Du bist der schönste Stern!» widersprach Basti und dachte bei sich: Es ist ein Albtraum! Ich mache dieser Frau schon Komplimente, um sie loszuwerden! Dieser rosa Fluss verheißt nichts Gutes. Es ist Blut im Wasser. Es ist zweifellos Blut im Wasser. Vielleicht habe ich mich an einem scharfen Stein unter der Wasseroberfläche geschnitten, verletzt, vielleicht verblute ich nun langsam und es tut gar nicht weh, nicht einmal ein leichtes Brennen. Oft tut es nicht weh, wenn man sich an etwas sehr scharfem schneidet. «Basti, du musst einen großen Sprung wagen! Schau da vorne ist ein Wasserfall! Mach dich auf einen gewaltigen Flug gefasst! Oder bremse endlich ab, kehr um!» «Lass mich in Ruhe! Du musst ja nicht mit mit fliegen! Ich weiß sowieso nicht, woher und warum du plötzlich aufgetaucht bist. Ich werde Uri Nachtigall fragen, wenn ich ihn sehe. Er hat mir die Frage immer noch nicht beantwortet, wer uns schreibt!» «Ich werde dich nicht alleine lassen! Selbstverständlich fliege ich mit dir, wenn es sein muss!» «Was bist du nur so anhänglich?» «Das Schicksal hat uns zusammen geführt», antwortete Leyla pathetisch. «Glaubst du etwa nicht an das Schicksal? Es gibt eine göttliche Fügung, die schwer verständlich und manchmal unnachvollziehbar für uns Menschen ist, aber es gibt sie einfach, und wir können nichts dagegen machen. Oh, mein Gott! Gleich stürzen wir in die Tiefe!» rief Leyla. Der rosa Delfin im rosa Fluss beschleunigte, nahm Anlauf wie bei einer Sprungschanze und löste sich von dem Wasser, das tosend in die Tiefe stürzte. Leyla schrie und jauchzte; es war ein Schreien wie bei einer Achterbahnfahrt; sicher schwang auch Angst mit, aber auch ungeheuer viel Lust an dem Sturz in die Tiefe, der nicht enden zu wollen schien.
Zwei Männer sahen in den Lauf einer Walther PPK und dahinter in die böse funkelnden Augen der Kommissarin: «Hände hoch! Polizei!» schrie sie. Einer der Männer war der türkische Opa, den sie vorhin weggeschickt hatte, als sie die Tür zu öffnen versuchte. Der andere ein junger Mann mit rosigen Bäckchen und rotblonden leicht gelockten Haaren, der den Alten um zwei Köpfe überragte: «Habe dir gesagt: die ist verrückt!» sagte der Opa empört, machte indessen keinerlei Anstalten zu gehorchen.

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