@Maulwurfkuchen will unbedingt, dass vor dem Wochenende eine weitere Folge von SOKRATES, dem kafkASKen Fortsetzungsroman erscheint, vielleicht, weil er sich in der Geschichte im Sturzflug mit Leyla befindet? Also gut: Teil 103...

Uri Bülbül
«Viel Erfolg. Woher hatten Sie übrigens den Revolver, mit dem Sie Ihren Vater erschossen haben?» Johanna hörte etwas Bedrohliches in Arthurs Stimme. Aber es war keine Drohung, die er leise und unausgesprochen in die Stimme legte; es war eine Bedrohung, die unabhängig von Arthur zu existieren schien, von der Arthur nur wusste, ohne sie selbst zu erzeugen. «Sie sind nicht informiert?» versuchte sich Johanna zu wehren. Arthur konnte über diesen netten Versuch nur lächeln: «Sie, meine Liebe, sind nicht informiert. Und das könnte zu einem Problem werden.» Nach diesen Worten verließ er die Wohnung.
Sie rasten so schnell in die Tiefe, dass Leyla keine Luft mehr bekam. Sie auf dem Rücken eines jungen Delphins, versuchte sich so gut und stark sie es nur konnte festzuhalten, hatte ihre Fingernägel auf Angst und Verzweiflung in seine Haut gebohrt. Aber der Sturz in die Tiefe raubte ihr die Kräfte. Für Basti waren die Schmerzen, die er auf seiner Haut an seinen Flanken spürte, kaum noch auszuhalten; es brannte und stach, als habe er sich in einem Brombeerstrauch verfangen. «Ich verstehe das nicht. Gerade eben war alles noch so schön schmerzfrei», dachte er bei sich. Aber er konnte einen verzweifelten Schrei nicht mehr unterdrücken. Als er aber seine Selbstbeherrschung verlierend schreien wollte, raubte ihm der Sturzflug jeden Atem, der zum Schreien nötig gewesen wäre, als befände er sich in einem alles verschluckenden Vakuum, ganz egal, welche Kräfte er in seiner Lunge auch mobilisierte. Leyla verlor den letzten Halt und löste sich seine Flanken tief und lang mit ihren Fingernägeln zerkratzend vom Delphin. Alleine stürzte sie weiter in die Tiefe. «Ich bin ein funkelnder Diamant. Was soll mir schon groß passieren. Unvergänglich und unvergleichlich schön!» hörte Basti sie rufen. Damit wollte sie sich wahrscheinlich selbst nur Mut zusprechen. Basti war Leyla egal. Denn mit ihr fielen auch die Schmerzen von ihm ab; und er sah sich auf die blaue Wasseroberfläche des Meeres zurasen. Ein Gedanke blitzte nur kurz in ihm auf: Etwas ist komisch an diesem Meer! Das Wasser glitzerte und funkelte nicht unter der strahlenden Sonne, die auch irgendwie undefinierbar nicht zu strahlen schien, sondern an Kraft verloren hatte. Kopfüber und mit seiner spitzen Schnauze vorneweg tauchte er ins Wasser ein und wunderte sich sofort; denn es war kein Meerwasser; es war nicht salzig, was auf einen See hätte hindeuten können, wenn Basti nicht den blanken weißen Boden gesehen und den Geruch von Chlor und Seife nicht in die Nase bekommen hätte. Leicht biss die Wasserqualität mit dieser Zusammensetzung auch in seinen Augen und seine zerkratzten Flanken brannten wieder. «Das darf doch nicht wahr sein!» dachte er. Aber es war so, wie es war: er war in einer Badewanne gelandet. Geschickt schwamm er den Schwung des Falls und Eintauchens ausnutzend wieder an die Wasseroberfläche. Vielleicht bei @RosarotesBadeschaf in Horatios Badewanne?

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