Wo nun Arthur auch stecken mag. Fest steht: Basti steckt als Delphin in Nadias Badewanne; und sie nennt ihn den «kleinen Badedelphin». Sein Problem: er weiß nicht, wie er hier je wieder heraus kommen soll ^^ SOKRATES, der kafkASKe Fortsetzungsroman Teil 105...

Uri Bülbül
Er würde sich bestimmt alle Rippen oder gar das Rückgrat brechen, wenn er im hohen Bogen aus der Wanne auf den harten Badboden flog. «Beruhig dich mal wieder, Kleiner! Ich habe deine Freundin im Wald getroffen - in der Nähe der Psycho-Villa. Sie war mit einem Moped unterwegs. Aber wer sein Moped liebt, schiebt. Und sie muss ihr Moped sehr lieben, ha, ha!» höhnte sie. «Sie ist unterwegs zu mir. Das ist ganz klar. Aber wie komme ich nun aus dieser blöden Wanne raus und zurück in die Villa? Und nenn mich nicht „Kleiner“! Außerdem ist Luisa nicht meine Freundin. Ich will viel lieber mit Leyla befreundet sein. Sie ist älter, reifer und klüger als Luisa. Aber wie komme ich hier nur raus?» Diese Frage machte auch Nadia etwas ratlos. Sie hatte das Gefühl, nun genug gebadet zu haben. An Entspannung war mit diesem überraschenden und unmöglichen Besuch ohnehin nicht mehr zu denken. «Los tauch unter! Ich will raus aus der Wanne und mich abtrocknen. Und du hältst dein Kopf mit deiner vorwitzigen Schnute solange unter Wasser, bis ich dich rufe, klar?» «Ja, ja», antwortete Basti, «mich interessieren nackte Frauen gar nicht. Mich interessieren auch angezogene Frauen nicht. Mich interessieren überhaupt keine Frauen!» sagte er. «Dann tauch ab!» herrschte Nadia ihn an, und er gehorchte. Sie stieg aus der Badewanne, um sich ein Badetuch zum Abtrocknen zu nehmen. Basti schwamm aufgeregt fast am Boden der Wanne hin und her. Der Gedanke, dass nun Luisa fast schon die Villa erreicht haben könnte und er nicht dort sein konnte und statt dessen hier in der Wanne gefangen war, machte ihn schier rasend. Ich müsste dringend und schnell, ganz eilig zu Luisa! dachte er immer wieder. Aber wie sollte es gehen? Er steckte in Nadias Badewanne fest. Einer plötzlichen Eingebung folgend schnellte er doch gegen Nadias Anweisung nach oben an die Wasseroberfläche und machte einen Sprung, so hoch er nur konnte. Und er konnte ziemlich hoch, erreichte die 3m hohe Badezimmerdecke, die er mit dem Rücken leicht berührte, um dann wieder sich ins Wasser der Wanne fallen zu lassen. Nadia hatte beim Abtrocknen den Delphin nicht aus den Augen gelassen und zuckte zwar ein wenig bei dem Sprung zusammen, erschrak sich aber nicht völlig überrascht von der plötzlichen Aktion. Sie schlüpfte in ihren Bademantel, während ihre Stimme ein wenig belustigt drohenden Unterton annahm: «Wenn du noch einmal so einen Sprung wagst, lasse ich das Wasser aus der Wanne, du kleiner Spinner! Ich werde dich trocken legen! Sagte ich nicht, dass du unter Wasser bleiben sollst, bis ich dich rufe!» Nein, der Sprung hatte nichts bewirkt, hatte ihn nicht in eine andere Dimension befördert, nicht etwa zurück auf die Insel der Seligen, wo der Fluss ins Meer floss, in dem Ophelia schwamm. Basti blieb in Nadias Badewanne gefangen. Er schwamm an die Wasseroberfläche, neigte sich zur Seite und gab traurige Geräusche von sich. «Wie komme ich nur nach Hause?» knütterte er.

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