Bevor ich auf Fragen eingehe, die irgendwie im Zusammenhang mit SOKRATES, dem kafkASKen Fortsetzungsroman stehen, möchte ich euch die 106. Folge präsentieren; denn 105 ist schon fünf Tage alt...

Uri Bülbül
Er wollte nicht, aber er konnte nicht anders als zu weinen, was Nadia sehr Leid tat, aber sie wusste sich in diesem Moment auch nicht zu helfen und hatte keinen Rat für Basti. Als könnte sie ihn damit ein wenig trösten und ablenken, sagte sie zu ihm: «Hey, du Badeentenverschnitt, ich kann Geige spielen. Ich spiele dir etwas vor. Das wird dir gefallen.» «Nein, du Fiedellieschen! Ich habe keine Lust! Ich will nach Hause!» schimpfte Basti, womit er Nadia durchaus ärgerte: «Ich sollte dich hier doch trocken legen! Vielleicht kommst du ja denn nach Hause!»
Da standen die drei vor dem Gartenhaus um Basti herum. «Er kommt zu sich», sagte Uri Nachtigall, «er wird wach», korrigierte ihn Betti, «er hat nur geschlafen. Er war nicht ohnmächtig.» Das erste Augenpaar, in das er blickte, als er wach wurde, gehörte Lara. Sie strahlte ihn freudig und munter an. «Guten Morgen, Basti. Wie geht es dir? Alles in Ordnung?» Basti war noch benommen von seinem Schlaf und seinem Traum. Der letzte Gedanke, der noch durch seinen Kopf ging und seine Kreise drehte, lautete: «Ich will nicht trocken gelegt werden.» Das sprach er dann auch aus. Lara und Uri blickten sich ratlos und fragend an, während Betti lachend antwortete: «Du bist ja auch kein Baby mehr. Warum sollten wir dich trocken legen?» Basti schüttelte den Kopf, als könnte er damit den Badewannentraum von sich schütteln. «Was machst du eigentlich hier?» wollte Lara wissen. «Dasselbe könnte ich euch fragen!» brummte Basti. «Wir machen einen Spaziergang», erwiderte Betti. «Ich nicht. Ich mache...» «...ein Nickerchen», grinste Uri und fing sich böse Blicke von allen ein. «Ich suche meinen Besuch mit den Legosteinen!» antwortete Basti ernst. «Das Mädchen aus deinem Traum?» fragte Uri, um ernste Anteilnahme bemüht. Basti schien darauf nicht antworten zu wollen und ließ seine Gedanken in eine ganz andere Richtung schweifen: Nadia war das Mädchen aus seinem Traum, nicht Luisa. Bei Luisa war es umgekehrt: er war in ihrem Traum gewesen. Aber diesen Unterschied würde der Neue nicht verstehen. Betti fragte da wesentlich verständnisvoller: «Warum suchst du deinen Besuch hier? Von der Landstraße aus betrachtet, kommt erst die Villa und dahinter erst das Gartenhaus. Dein Besuch würde doch erst in die Villa kommen, oder nicht?» «Keine Ahnung», sagte Basti schlecht gelaunt. «Ich will mein Legokamel endlich bauen und mein Bananengansauto – alles in Gelb. Mir fehlen Legosteine, aber dieses Mädchen kommt und kommt einfach nicht. Aber sie hätte längst hier sein müssen.» «Du machst dir Sorgen um deinen Besuch?» fragte Uri Nachtigall verwundert. Wieder musste Basti denken, dass der Neue wirklich nichts verstand. «Vielleicht ist sie ja einfach nur aufgehalten worden», sagte Betti. «Vielleicht kommt sie ja zum Abendessen», fügte Uri hinzu. Lara sah Basti verständnisvoll an. «Vielleicht kommt sie zum Abendessen, vielleicht ist sie aufgehalten worden, vielleicht, vielleicht... Komm, Basti, wir beide suchen sie gemeinsam.

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