Die Badewannenportraits reizen mich nun, Uri Nachtigall in SOKRATES in die Badewanne zu stecken. Nachdem Nadia @Iwillslaughteryou in der Badewanne eine seltsame Begegnung hatte, kann es doch nicht ausbleiben, dass das kleine Vögelchen mal baden muss. Teil 109...

Uri Bülbül
Grimmig dachte er bei sich, dass so eine Mrs. Sonnenschein irgendetwas aus ihrer Vergangenheit zu überspielen hatte. Betti durchbrach das kurze Schweigen: «Du stehst vor einem verschlossenen Gartenhaus, hörst irgendwann einen kleinen Rumps darin und denkst sofort an eine gefesselte und geknebelte Person, die Opfer eines Gewaltverbrechens geworden sein könnte. Ist das nicht reichlich seltsam?» fragte sie. Er zuckte die Schultern: «Ich denke mir nichts Böses, dusche fröhlich vor mich hin, will mich danach mit einem Kaffee an meinen Schreibtisch setzen. Und plötzlich steht eine junge Frau in meinem Badezimmer, gibt sich als Polizistin aus und ihr Kollege bricht mir die Nase mit einem Fausthieb. Während ich blutend und hilflos vor ihnen liege, überlegen die beiden, ob sie mich mit aufs Revier nehmen oder besser direkt vor Ort erschießen sollten. Ist das nicht reichlich seltsam?» erwiderte Uri. «Ja, da hast du auch wieder Recht», antwortete Betti. «Ach, ich mag an all das Gewalttätige gar nicht denken. Wir sollten friedlich und liebevoll mtieinander umgehen, das wäre viel schöner.» Uri Nachtigall schwieg. Was schöner wäre oder nicht, stand für ihn gar nicht zu Debatte. Auf Ayleens Anraten war er zur Villa dieses ominösen DoctorParranoia gefahren und war nun hier hängen geblieben. Natürlich konnte er jederzeit wieder weggehen. Aber erstens wollte er den Grund erfahren, warum er verhaftet sein sollte, und zweitens wollte er in Erfahrung bringen, was es mit dieser Villa und den Menschen auf sich hatte. «Ich habe dir erzählt, wie es mich hierher verschlagen hat», begann er, «was hat aber Lara und dich hier her geführt?» Er betrachtete sie von der Seite im Gehen. Sie schien gar nicht abgeneigt zu sein, seine Frage zu beantworten, und doch ließ sie irgendetwas ein bißchen zögern, als suchte sie den richtigen Anfang, um ihre unglaubliche Geschichte so glaubhaft wie möglich erzählen zu können.
Inzwischen waren Lara und Basti an die Grenze des Gartens gelangt, standen dort vor einer hohen, schlecht geschnittenen und wenig gepflegten Koniferenhecke. Beide dachten nicht einmal im Entferntesten daran, umzukehren, sondern suchten eine lichte Stelle, um hindurchkrabbeln zu können und wurden auch schnell fündig. Basti musste etwas Unkraut und Gesträuch entfernen und schon konnten sich fast bequem auf allen Vieren den Garten verlannsen. Sie betraten eine Lichtung überquerten sie und drangen nun tief in den Wald hinein. Sie gingen rasch, waren guter Dinge, unterhielten sich über dies und das, es war, als hätte der kleine Grenzübertritt ihre Freundschaft wachsen lassen. Lara erzählte von ihrer Schule, dass sie dort den Sportunterricht nicht mochte, dass sie am liebsten Fotografin werden würde, manche Lehrer schrecklich langweilig fand, über manche sich aber auch sehr aufregen konnte. Erstaunlicherweise stieg Basti auf das Schulthema nicht besonders ein. Ihn interessierten andere Dinge.

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