SOKRATES, der kafkASKe Fortsetzungsroman Folge 121: Was macht eigentlich Johanna Metzger mit den beschlagnahmten Gegenständen aus der konspirativen Zweitwohnung ihres grausamen Vaters? Keine Ahnung, ich bin noch in der Psycho-Villa :)

Uri Bülbül
Ich bin nicht religiös – zumindest nicht auf diese Weise.» «Auf welche Weise bist du denn religiös?» fragte Betti, die keinen Appettit auf den Nachtisch hatte. «Ich kann nicht ausschließen, dass es übersinnliche Dinge in dem Sinne gibt, dass sie jenseits meines Vorstellungsvermögens liegen und halte es daher mit Hamlet: „Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die sich unsere Schulweisheit nicht träumen lässt.» «Aber vielleicht ist das auch so, dass es doch jemanden gibt, der uns schreibt, der uns hierher geschrieben hat und der uns auch an einen anderen Ort, in ein anderes Leben oder sonst wohin schreiben könnte. Und wir können uns das eben nur nicht vorstellen und denken deshalb, wir hätten einen eigenen freien Willen.» Uri dachte kurz darüber nach. «Ja, aber wie wahrscheinlich ist es, dass Gott ein Schriftsteller ist und uns erfindet?» «Erfindet? Er hat uns erschaffen!» betonte Betti. «Und dann?» fragte Uri Nachtigall, «Was hat er gemacht, nachdem er uns erschaffen hat? Hat er uns nicht in die Freiheit entlassen? Das würde komplett der Theorie widersprechen, dass Gott ein Schriftsteller ist.»«Hmmm, keine Ahnung», erwiderte Betti, «Ich bin keine Pfarrerin. Ich halte nicht viel von der Kirche. Sie ist mehr Apparat als Religion. Und so zu tun, als könnte man religiöse Fragen in ein bestimmtes Wissen packen und dann darüber theoretisieren, ist eben typisch Apparat. Die Kirche ist eine Glaubensmaschinerie. Sie produziert einen Glauben – aber nicht eine Religion.» «Wie soll ich das verstehen?» fragte Uri Nachtigall. Betti lachte, weil Uri als Philosoph so unbeholfen aussah in diesem Moment wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal auf dem Spielplatz eine große Rutsche sieht und nicht weiß, was es damit anfangen soll. «Mit dem Herzen», sagte sie dann, «du kannst es nur mit dem Herzen verstehen!» «Als ich hierher kam, wollte ich nicht hier bleiben oder übernachten. Ich wollte nur Doctor Parranoia sprechen und von ihm erfahren, warum ich nun verhaftet sein soll. Und dann wollte ich wieder nach Hause fahren. Wie kann es sein, dass plötzlich ein seltsames Paar in meiner Wohnung steht; ein Mann und eine Frau – die Frau, während ich dusche ins Badezimmer kommt und sich überhaupt nicht daran stört, dass ich vielleicht aus dem Bad gehen und mich anziehen möchte? Und der Mann mir mit der Faust ins Gesicht schlägt, nur weil ich bezweifle, dass die beiden von der Polizei sind? Ayleens Freundin Gundel Gaukel Ey soll dazu gesagt haben: „Die Polizisten kommen mir nicht vor wie zivilisierte Beamte, sondern wie irgendwelche Landbullen die ihr Mittagessen mit Kühen und Schafen einnehmen.“* Aber das verstehe ich auch nicht...» Uri Nachtigall hielt inne. Betti sah ihn fragend an, um ihn zum Weitersprechen zu animieren. Er aber schwieg, so dass sie genötigt war, ihn zu fragen: «Was verstehst du nicht?» Plötzlich war Uri Nachtigall ganz gedankenverloren. [* http://ask.fm/HeuteBinIch14/answer/107457813871 ]

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