SOKRATES - der kafkASKe Fortsetzungsroman Folge 122 könnte unter der Überschrift stehen: Die Schöne und der Philosoph oder der Alte und das Meer des Wahnsinns oder die Ankunft der gelben Lego-Steine, wenn man nur wüsste, wo Basti und Lara stecken ^^

Uri Bülbül
Er hörte ihr gar nicht mehr zu, rückte in eine weite Ferne, vielleicht in die Wüste seines Unverstands. Aber Betti ließ nicht locker: «Hey, wo bist du nun mit deinen Gedanken? Sag mal, was du nicht verstehst. Du hast mir gerade etwas von Gundel Gaukel Ey und ihrem Spruch von Landbullen erzählt, die ihr Mittagessen mit Kühen und Schafen einnehmen.» Uri sah Betti so an, als würde er sie zum ersten Mal sehen «Was?» «Genau! Ich hätte gerne gewusst, was du nicht verstehst. Du hast gerade gesagt, dass du etwas nicht verstehst. Aber was es ist, hast du nicht gesagt.» «Woher hätte Gundel Gaukel Ey wissen können, was mir passiert ist und wie sich die Bullen verhalten haben? Ich traf mich mit Ayleen in einem Café gegenüber dem Krankenhaus, um ihr genau die Begebenheit erst zu erzählen, was Gundel Gaukel Ey ihr gegenüber schon kommentiert haben sollte. Das kann doch gar nicht sein!» «Vielleicht hat Gundel Gaukel Ey ja auch gar nichts gesagt. Vielleicht hat Ayleen nur überlegt, was ihre Freundin dazu wohl gesagt haben würde – zu deiner unglaublichen Geschichte.» Uri Nachtigalls Züge erhellten sich wieder. «Ja, genau. So wird es gewesen sein! Aber irgendwie muss ich das noch bestätigen. Aber da ist noch etwas...» Betti sah ihn neugierig an. «Als ich auf Ayleens Anraten hier in die Villa kam, empfing mich Schwester Maja, zuvor traf ich sie auf der Landstraße, wo ich im Straßengraben stecken geblieben war. Sie fuhr ganz langsam an mir vorbei, ohne anzuhalten. Aber sie hat mich mit einem furchterregenden Blick angesehen.» «Sie wird auf dem Weg zur Arbeit gewesen sein, also zum Dienstantritt hier», erklärte Betti. «Sie wohnt nicht in der Villa?» fragte Uri Nachtigall. «Nein, ich glaube nicht. Sie hat irgendwo eine private Wohnung und fährt nach Hause, wenn sie keinen Dienst hat.» Uri nickte. Seine Gedanken schienen an einer anderen Stelle zu haken. In diesem Augenblick nahm der junge Mann vor dem Fernseher den Kopfhörer ab und schaltete den Fernseher aus, weil sein Film nun zu Ende war. Freundlich sah er zu den beiden herüber und erklärte beim Hinausgehen, dass er noch ein wenig in den Garten wolle vor dem Abendessen. Er wolle sich noch ein wenig seiner Kantlektüre widmen. Die beiden nickten ihm freundlich zu. Und wäre Uri Nachtigall nicht zu sehr mit sich beschäftigt gewesen, hätte er bei „Kantlektüre“ als Philosoph sicherlich aufgehorcht. Ihn aber beschäftigten im Moment all diese seltsamen Fragen und Begebenheiten, auf die er sich noch keinen rechten Reim machen konnte. «Schwester Maja empfing mich, führte mich hier in den Aufenthaltsraum, der an jenem Abend nicht so seltsam eingeräumt war wie heute...» «Das ist Benjamin, er stellt das Mobiliar immer um, weil er überall eine Symmetrie erzeugen möchte», erklärte Betti. Uri registrierte diese Information äußerst beiläufig. Seine Gedanken hakten eben an einer anderen Stelle. Aber er kam nicht mehr dazu, diese weiter auszuführen und ihnen nachzuspüren, ein junges Mädchen von etwa sechzehn, siebzehn Jahren...

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Victor Eremita@VictorEremita