SOKRATES Folge 123: Verweilen wir noch ein bißchen in der Villa. Das Gespräch dort könnte interessant werden ;)

Uri Bülbül
..., mit dunklen langen Haaren und einer schlanken, schönen Figur kam zögerlich herein. «Hallo», sagte sie mehr fragend als grüßend. Dieses Mal schaltete Uri Nachtigall blitzschnell: «Hallo, da kommt ja der lang erwartete und heiß ersehnte Besuch mit den Lego-Steinen für Basti.» Das Mädchen wurde schreckensbleich. Uri Nachtigall ließ dem Wahnsinn freien Lauf: «Komm, setz dich zu uns. Möchtest du ein Stückchen Kuchen?» In der Tat war Luisa erschöpft und wollte diese etwas zu überschwängliche und freundliche Einladung nicht abschlagen. Mit einem irritierten Danke nahm sie bei der Frau und dem Mann platz. Und der Mann bediente sie mit Kaffee und Kuchen. Die Frau sah sie freundlich und neugierig an, etwas in ihren Augen lachte und funkelte, wovon sich Luisa beruhigen ließ und entspannte. Sie war froh, nicht mit dem Mann alleine sein zu müssen; irgendetwas an seiner übereifrigen Freundlichkeit beunruhigte und verunsicherte Luisa. Uri Nachtigall setzte sich wieder zu ihnen, rückte seinen Sessel so, dass er beide Frauen beobachten konnte. Betti hatte für ihn etwas Fischiges und Unfassbares. Sie war schwer zu greifen, dann aber strahlte sie auch eine Mütterlichkeit aus, zu der man schnell Vertrauen finden konnte. «Basti hat dich schon angekündigt», erklärte sie Luisa und er fügte hinzu «und erzählte, dass er bei dir Lego-Steine bestellt hat.» Diese blöden Lego-Steine, ging es Luisa durch den Kopf, was hatten sie nur zu bedeuten und warum waren sie so wichtig? Sie wollte das Gespräch auf ein anderes, auf ihr eigentliches Thema lenken: «Ich war mit meinem Deutschkurs im Cascando-Theater», begann sie und konnte sofort sehen, dass der Mann seine übertriebene Freundlichkeit nicht mehr im Gesicht aufrecht erhalten konnte. Besorgt, beunruhigt, nervös wirkte er plötzlich. Betti war dieser Stimmungswandel bei Uri auch nicht entgangen. Aber sie hielt sich mit einem Kommentar zurück. Nun war es an der Zeit, ihn und dieses Mädchen genau zu beobachten. «Ich habe dort von einem Hausphilosophen gehört, den dieses Theater haben soll; es ist ein Privattheater, ein sogenanntes freies Theater, wie es unsere Deutschlehrerin nennt.» «Ein „sogenanntes“?» fragte der Mann. Luisa warf ihm ein Lächeln zu: «Stammt nicht von mir, sondern von der Deutschlehrerin.» Und als könnte sie diese ungeliebte Lehrkraft verpetzen, fügte sie hinzu: «Sophie Rosenberg-Kübel ist ihr Name». Uri Nachtigall tat so, als würde er in seinem Namensgedächtnis herumkramen, biss sich sogar kurz auf die Unterlippe, um dann als Ergebnis festzuhalten: «Kenne ich nicht, sagt mir nichts.» «Sie hat mir mein Smartphone weggenommen», sagte sie und musste sich zugleich über sich selbst sehr wundern: wozu erzählte sie diesen Fremden das? Da nahm sie doch lieber den Faden an einer anderen Stelle wieder auf: «In dem Theater jedenfalls hörte ich zufällig ein Gespräch. Da vermisste eine Frau einen oder ihren Freund, das konnte ich nicht heraushören. Aber sie vermisste auf jeden Fall den Hausphilosophen des Theaters.

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