SOKRATES, der kafkASKe Fortsetzungsroman Folge 128...

Uri Bülbül
«Ich verstehe nicht!» äffte Ross Arthur nach. «Würde ich an deiner Stelle auch sagen. Du bist festgenommen!» «Wie bitte? Warum das denn?» empörte sich Arthur Francis Suthers. Die Antwort überraschte ihn noch mehr. Er war vollkommen irritiert: «Du hast gefälschte Kennzeichen an deinem Auto; du hast eine nicht als Dienstwaffe registrierte Waffe im Handschuhfach; dafür aber fehlt der Kraftfahrzeugschein. Warum wolltest du also bei der Personenkontrolle, die ich durchführen wollte, ins Handschuhfach greifen? Und wozu die gefälschten Kennzeichen? Ist das die Sparversion einer Tarnung für unseren verdeckten Sonderermittler?» höhnte der Kommissar. Wenig später kam ein Polizeibus mit vier uniformierten Polizisten darin. Ihnen wurde Suthers übergeben. «Wir sehen uns im Präsidium», rief Ross ihm nach. «Und jetzt werde ich mich um diesen Niklas Hardenberg kümmern, bevor ich unseren Möchtegern-007 verhöre.»
Während der Sonderermittler Suthers festsaß und im Polizeipräsidium in Gewahrsam genommen wurde, fuhr die Kommissarin Johanna Metzger, die vom Dienst suspendiert werden sollte, zur Schule ihrer Schwester. Eine kleine Gruppe von Jugendlichen stand auf dem Schulhof herum. Die Schüler unterhielten sich lärmend und lachend, witzelten und frotzelten. Ein, zwei Gesichter kamen Johanna bekannt vor, so dass sie beschloss, auf die Jugendlichen zuzugehen. Tatsächlich war einer von ihnen Christoph und die andere die stille Marie. Von den Jugendlichen war nicht viel, aber doch etwas sehr Beunruhigendes zu erfahren. Sie waren verhalten und hatten offensichtlich keine Lust, mit einer fremden Person zu reden, erst recht nicht, wenn sie eine Polizistin war. Am freundlichsten begegnete ihr immer noch der junge Mann, der Luisa sein Moped und sein Handy geliehen hatte. Hinter dem Venusberg, irgendwo im oder in der Nähe des Hattinger Waldes sollte eine Villa sein, sie sollte einem Psychiater oder Forensiker oder so etwas gehören... Johanna wunderte sich, dass der junge Mann überhaupt den Ausdruck „Forensiker“ kannte und aktiv benutzte. Sie musste bald wieder zurück sein nach seinen Angaben; denn sie war schon fast vier Stunden weg und sollte Moped und Handy am frühen Nachmittag wieder zurück bringen. Der stillen Marie entging nicht, dass Johanna nervös und unruhig wurde, bei dem, was Stoffel erzählte. «Könnt ihr Luisa bitte ausrichten, dass sie mich anrufen soll, wenn ihr sie seht. Es ist wirklich sehr wichtig. Sehr, sehr wichtig» Und damit verabschiedete sie sich. Als sie wieder in ihrem Auto saß, war völlig klar, wohin sie sofort fahren würde – das Polizeipräsidium war es nicht!
Lara bewegte sich nicht gerne: Sport, ausgedehnte Wanderungen, Sprints, Leichtathletik, Herumturnen auf wackeligen Unterlagen – das alles lag ihr nicht. Sie war mit Kampfsport vertraut und konnte aggressiv werden, wenn man sie allzu sehr reizte; sie war eigenwillig wie eine Katze und widmete sich am liebsten in aller Seelenruhe den Dingen, die sie interessierten.

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