Nach der Wahnsinnsherausforderung http://ask.fm/Klugdiarrhoe/answer/133128058553 geht es schnell weiter mit der nächsten SOKRATES-Folge, dem 129. Teil des kafkASKen Fortsetzungsromans. Eigentlich gäbe es auch etwas von einem Friedhofsspaziergang mit Arthur zu berichten, aber lassen wir das!

Uri Bülbül
Auf diesem schraubenförmigen Steg in die Tiefe eines sehr urwüchsig erscheinenden Waldes zu laufen, gehörte nicht gerade zu ihren Lieblingsbeschäftigungen und sie konnte dafür nicht annähernd so viel Begeisterung entwickeln wie Basti. Aber Lara fand den Abstieg auch nicht so unangenehm, als dass sie sich geweigert hätte, Basti in diese seltsame Tiefe zu begleiten. Es wunderte sie nur sehr, dass es in dieser Gegend überhaupt so viel Wald gab und dieser Wald schier tropisch anmutete. Sie konnte nun tatsächlich Palmen ausmachen, Lianen hingen von den Bäumen und in einigen Metern Entfernung kreisten große Vögel über den Bäumen, landeten und starteten schwerfällig und doch irgendwie nicht ungeschickt. «Wie in einem großen Zoo», ging es Lara durch den Kopf. Basti blieb abrupt stehen, so dass sie bei ihm auflief und lachte. «Hey hast du keine Bremslichter? Oder Augen im Hinterkopf?» «Hier ist es wie auf der Insel der Seligen!» meinte Basti und beschnupperte die Luft. «Ich rieche in weiter Ferne schon das Meer. Ja, ich kann das Meer riechen!» Lara streckte auch ihre Nase in die Luft. Sehr viele exotische Düfte erreichten ihre Nase; aber den Duft des Meeres konnte sie nicht wahrnehmen. «Ich rieche kein Meer», stellte Lara kurz angebunden fest. Basti beschnupperte die Luft noch eine Weile: «Komisch. Jetzt rieche ich das Meer auch nicht mehr.» Lara sah sich den Rückweg an. «Oh, das wird sehr anstrengend», stöhnte sie. «Nein, wir gehen weiter runter, in den Wald hinein und schauen uns dort etwas um. Vielleicht finden wir einen anderen Weg, oder vielleicht sogar ein Holzaufzug oder so was.» «Holzaufzug oder so was», wiederhole Lara fragend. «Kann doch sein», sagte Basti und fügte voller Tatendrang hinzu: «Wir müssen nur immer weiter.» Lara glaubte zwar nicht daran; aber sie wollte Basti auch nicht alleine lassen. «Warte, warte, ich will noch ein paar Fotos von unserem Rückweg machen», sagte sie , während sie den Spiralsteg nach oben blickte und ihre Kamera zurecht legte. Basti war zwar ungeduldig, aber er riss sich zusammen, so gut er nur konnte. Lara konzentrierte sich ganz auf ihre Aufnahmen. Doch plötzlich erschrak sie, da völlig unerwartet jemand um die Kurve kam, nicht schnell, sondern eher gemächlichen Schrittes, eine junge Frau mit schwarzen langen Haaren in einem weißen Kleid mit rosa Applikationen, Spitzen und Blumen auf dem Kleid, das ihr bis zum Schienbein reichte. Sie trug eine dazu passende gemusterte Strumpfhose in hellem Rosa und weiße Schuhe mit hohen Sohlen und Absätzen in Rosa und rosa Schleifchen. Sie hatte eine Perlenkette um den Hals und einen Hut auf dem Kopf, der in seiner Form an eine wunderschön dekorierte Schute erinnerte. In der Rechten hielt sie einen Sonnenschirm aufgespannt, als sie lächelnd auf Lara zukam. Sie sah aus ihren dunklen Augen die beiden freundlich an. «Hallo. Gehst du hier auch spazieren?» fragte Lara, um das Gespräch freundlich zu beginnen und ihren ersten Schreck wieder wettzumachen.

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