Hänsel und Gretel waren gestern; heute gehen Lara und Basti durch den Wald. Und wer glaubt, dass deren erste Begegnung Nadia @Iwillslaughteryou die böse Hexe sei, ist völlig schief gewickelt. Auf diesem Spaziergang sind noch einige Überraschungen möglich. SOKRATES Teil 131 ;)

Uri Bülbül
«Wir müssen jetzt aber weiter!», sagte Basti. Er war sich aber nicht sicher, in welche Richtung sie gehen sollten. Lara schaute an dem Schraubensteg hoch, den sie herunter gelaufen waren. Er schien sich nach oben hin erweiternd bis in den Himmel zu reichen. Denselben Weg wieder zurück zu nehmen, wäre sehr anstrengend geworden. «Weiter! Nicht zurück!» insistierte Basti. Nadia beobachtete die beiden mit einem freundlichen Lächeln. Lara war der Weg beim Abstieg nicht so lang vorgekommen, worüber sie sich wunderte. Der Rückweg würde bestimmt eine gute Stunde in Anspruch nehmen und sehr schweißtreibend werden. Aber an Bastis Idee, dass sie irgendwo, wenn sie nur weiter gingen, auf einen Holzaufzug stießen, mochte sie nicht glauben. Fragend sah sie Nadia an und hatte plötzlich eine Idee, um Zeit zu gewinnen: «Darf ich dich in deinem Kostüm fotografieren?» «Ist kein Kostüm! Ist ein Kleid. Aber ja, sehr gerne, wenn du möchtest.» Basti wurde unruhig. Ihm war nach seinem kurzen Schlaf so überhaupt nicht nach Kostümen, Kleidern und Fotografien! Er wollte schnell weiter. Und wenn Lara das geträumt hätte, was er geträumt hatte, wäre ihr auch nicht nach Kleiderfotografien zumute!
Ein ziviles Auto mit einem Blaulicht auf dem Dach raste Richtung Venusberg, durch die Südstadt hindurch, über zwei radarkontrollierte Ampelkreuzungen bei rot und in Richtung Hattinger Wald. Am Schild für das Ende der geschlossenen Ortschaft vorbei 50 km/h schneller als erlaubt über eine Kreuzung außerhalb geschlossener Ortschaften, dann wurde die Straße enger, kurviger, unübersichtlicher. Ein Auto vor ihr fuhr nicht schnell genug zur Seite und Johanna Metzger schaltete sofort die Polizeisirene ein. In einer langgezogenen Rechtskurve schleuderte der Wagen und brach mit dem Heck etwas aus; aber geschult und trainiert fing sie ihn wieder auf, steuerte entgegen und hatte den Wagen voll unter Kontrolle. Mit Vollgas ging es weiter; und schneller als der Blitz erreichte die Nachricht von ihrer Fahrt das Polizeipräsidium. Reiniger war außer sich vor Wut. «Ich werde diese Irre mit einem Sondereinsatzkommando festnehmen lassen! Und wenn sie Widerstand leistet, soll man sie über den Haufen schießen! Wo ist ihr Partner? Dieser Ross? Warum bekommt er sie nicht unter Kontrolle? Es kann doch nicht sein, dass diese Person unkontrolliert und ungehindert Amok laufen darf!» Die Kriminalassistentin, die die Nachrichten ins Büro des Chefs gebracht hatte, zog sich wortlos, ja geräuschlos wieder aus dem Büro zurück. Sollte doch Reiniger alleine vor sich hin sinnieren und schimpfen. Sie wollte jedenfalls nicht den Befehl entgegennehmen, das SEK gegen eine Polizeikommissarin einzusetzen. Vielleicht würde sich Reiniger ja gleich beruhigen und Vernunft walten lassen. Womöglich wusste die Kommissarin, was sie tat und es war nützlich und gut, dass sie noch im Dienst handelte. Auf so einen Gedanken würde Reiniger natürlich nicht kommen. Zumindest nicht, solange er schimpfte und fluchte.

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