Eines muss klar sein: SOKRATES, der kafkASKe Fortsetzungsroman ist ein Mitmachroman. D.h. ihr könnt Ideen, Anregungen und Personen vorschlagen und ich sehe mal zu, wie und wo ich sie einbauen kann. Einen tollen Mitstreiter habe ich schon. Teil 141...

Uri Bülbül
...und wünschte sich, sie würde nun durch die Tür vom Spaziergang zurück kommen; Luisa hoffte, dass dieser Knall, der eigentlich, kaum dass er vorbei war, wahrscheinlich nie statt gefunden haben würde, nicht die Aufmerksamkeit zerstreute; Uri Nachtigall fiel es im Eifer des Geredes leicht, das Dumpfe Rollen der Luftmoleküle zu ignorieren. Lara und Basti sahen sich fragend an und gaben einander die Hand. Nadia kniff die Augen zusammen und zog den Kopf ein, so dass der Knall über sie hinweg fegte. Dann betrachtete sie den Qualm in einiger Entfernung. Ruhigen Schrittes ging sie auf das Autowrack zu und sah darin eingequetscht und blutend die Kommissarin. «Oh, das sollte doch nur ein kleiner Denkzettel werden», sagte sie sich. Nun stand sie vor einer mittleren Katastrophe.
Es war eine satte, selbstbewusste, ruhige Frauenstimme, die beim Notruf präzise den Unfall meldete. Die Diensthabende hatte den Familiennamen nicht richtig verstanden, und auch nachdem sie das Band mehrmals abgehört hatte, wurde der Familienname nicht verständlicher. Die Frau sprach akzentfrei Deutsch, der Name jedoch war ausländisch. Die Diensthabende entschied sich für «Schiranjucki». Feuerwehr, Notarzt und Polizei rückten sofort aus. Kurz wurde auch in Erwägung gezogen, einen Hubschrauber mit einem Notarzt darin einzusetzen; die Einsatzleitung entschied sich aber dagegen; der Hubschrauber konnte nirgendwo in der Nähe des Unfallortes landen und bis der Notarzt abgeseilt war, würden auch die anderen Rettungskräfte vor Ort eintreffen.
«Der Mensch in allen seinen Höhen und Tiefen tritt uns besonders bei Shakespeare eindrucksvoll entgegen.» Shakespeares Dramen waren deshalb von einer wunderbaren Lebendigkeit, weil sie den Menschen in Figuren nicht schematisch idealisierten und idealen Klischees unterwarfen, sondern von einem realistischen Humanismus beseelt waren. Man konnte Fehler machen, Zweifel hegen und diese Zweifel so ins unermessliche Steigern, bis sie in einer Katastrophe endeten. Psychische Dispositionen und situative Konstellationen verschmolzen zu einem explosiven Gemisch und führten zum Untergang der handelnden Personen. Und Immanuel Kant, der Gute, was tat er in seiner Studierstube? Entfernte er sich, je mehr er über die Transzendentalphilosophie nachdachte und schrieb, vom Leben? Wurden seine Gedanken immer lebloser in der dünnen Luft der Bedingungen der Möglichkeit und der Möglichkeit dieser Bedingungen? Als Benjamin wieder aus dem Garten kommend den Aufenthaltsraum betrat, bemerkte er schmerzhaft die Asymmetrie, die sich eingeschlichen hatte. Seine gute Ordnung war dahin. Die Sessel anders gruppiert und Uri Nachtigall mit Betti und Luisa in ein Gespräch vertieft. Aus der Ferne im Hintergrund konnte man Frank Norbert Steins Quad hören, der den Waldweg entlag an der Villa vorbei Richtung Hauptstraße raste, weil der Gärtner und Hausmeister sich auch wie ein Förster fühlte, der nach dem Rechten zu sehen sich in der Verantwortung wähnte.

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