Es könnte blutig werden, sehr blutig! Ich könnte die Kommissarin über die Klinge springen lassen, noch bevor sie das Rätsel um das Doppelleben ihres Vaters gelöst hat. Irgend etwas liegt in der Luft. SOKRATES, der kafkASKe Fortsetzungroman, Teil 142:

Uri Bülbül
Wie unter Schock sprang er am Unfallort fluchend von seinem Fahrzeug. Der Qualm hatte sich ebenso verzogen wie Nadia. Und das Leben schien sich aus der Kommissarin ebenso zu verziehen wie der Qualm. Stein konnte keinen Puls mehr fühlen, sah all das Blut an der jungen Frau und kein Lebenszeichen mehr. Sie war eingequetscht und der Hausmeister wusste nicht, wie er ihr noch helfen konnte. Zitternd griff er mit Blut verschmierten Fingern nach seinem Smartphone, um rote Fingerabdrücke auf dem Display hinterlassend die Nummer des Notrufs zu tippen. Ja, der Unfall sei bereits gemeldet und die Rettungskräfte seien unterwegs, ob er denn gemeinsam mit der Zeugin, die angerufen habe, erste Hilfe leisten könne. «Hier ist keine Zeugin. Hier ist niemand außer der Toten», schrie er verzweifelt ins Telefon, während er sich sicherheitshalber noch suchend umsah, ob vielleicht doch jemand irgendwo zwischen den Bäumen zu sehen war. Absurderweise blitzte noch immer das Blaulicht auf dem demolierten Autodach. Die Frau musste demnach im Einsatz gewesen sein, folgerte der Hausmeister, ohne das Ziel und den Grund des Einsatzes erkennen zu können. Mit Gänsehaut und frierend stolperte er zu seinem Quad zurück, nachdem er noch mehrmals versucht hatte, irgendeine Tür zu öffnen, um die Verunglückte doch noch aus dem Auto ziehen zu können. Das allerdings schien aussichtslos.
«Hallo Benjamin, möchtest du dich zu uns setzen?» fragte im Aufenthaltsraum der Psycho-Villa Betti munter, während Luisa und Uri Nachtigall miteinander beschäftigt schienen und einander tief in die Augen sahen. Uri Nachtigall beugte sich zu Luisa und flüsterte ihr etwas zu, was sie zu erheitern schien. Dabei konnte er einen kurzen Blick in ihren Ausschnitt mit den wunderbaren Rundungen nicht unterlassen. Ihr entging sein Blick nicht, und sie beugte sich ihm noch ein kleines Stück entgegen. Obwohl Betti zu Benjamin hinüber sah, konnte auch ihr das Knistern zwischen Luisa und Uri Nachtigall nicht verborgen bleiben. Irritiert winkte Benjamin ab: «Nein, nein... danke. Ich gehe noch mal vor dem Abendessen auf mein Zimmer.» «Hast du im Garten Lara und Basti gesehen?» fragte Betti, «Sie müssten so langsam von ihrem Spaziergang zurückkehren.» Benjamin wandte sich Kopf schüttelnd um. «Alles durcheinander», dachte er, «alles durcheinander. Sie haben im Aufenthaltsraum ein Chaos angerichtet!» Als Betti von Basti sprach, horchte Luisa auf. «Basti? Ich darf seine gelben Lego-Steine nicht vergessen.» Und dann biss sie sich auf die Lippen. Was für ein Quatsch! Ging es ihr durch den Kopf; das war doch eine ziemlich verrückte Geschichte. Sie träumte von einem Delphin-Kind, das bei ihr Legosteine bestellte und brachte sofort die Bestellung mit ihrer realen Welt in Verbindung. Zugleich aber bemerkte Luisa, wie Uri Nachtigall und Betti bedeutungsvolle Blicke austauschten. «Was wisst ihr?» fragte Luisa unvermittelt, «ihr beiden wisst doch irgend etwas.»

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