Die Kommissarin ist gegen einen Baum gerast, Arthur, der Sonderermittler sitzt in einer Gefängniszelle und wartet, dass ihm die Tür aufgetan wird, Lara und Basti haben sich im Wald verlaufen und die Abenddämmerung naht. Die kleine Schwester der Kommissarin ist bei Uri. SOKRATES Teil 147...

Uri Bülbül
Kunst ist immer mehr als ein Gleichnis. Und Kunst ist auch immer mehr als eine Aussage über die Welt. Diese berühmte Formulierung „...und die Moral von der Geschicht'“ sie kann doch niemals das Kunstwerk ersetzen!» Oh je, dachte Betti. Jetzt hat er sich warm geredet! Sie mochte es gar nicht, wenn Männer sich in Rage redeten und anfingen, allen anderen die Welt zu erklären oder die Kunst oder was auch immer! Da wollte sie die Moral von ihnen auch nicht hören. So sympathisch Betti diesen Schriftsteller und Neuankömmling in der Villa auch fand, so schien er dennoch eine furchtbar besserwisserische Ader zu haben. Wo blieb nur ihre Tochter? Langsam wurde sie etwas unruhig. Uri indessen sprach munter weiter: «Es gibt eine Anekdote über Samuel Beckett; er soll danach gefragt, was er denn mit seinem absurden Theaterstück „Warten auf Godot“ habe sagen wollen, geantwortet haben: „Genau das, was ich im Stück geschrieben habe. Hätte ich etwas anderes sagen wollen, hätte ich etwas anderes geschrieben“.» «Blödsinn!» entfuhr es Betti plötzlich sehr ungeduldig. Sie hatte nicht mehr an sich halten können. Uri Nachtigall sah sie überrascht, konsterniert und ein wenig herausfordernd an. Luisa schien sich eher über den gesteigerten Unterhaltungswert dieser Konversation zu freuen. Ihre Augen glänzten erwartungsvoll und amüsiert. Betti war dieser Ausbruch nun etwas peinlich. Sie fühlte sich in Erklärungsnot: «Na ja, ist doch so. Man sagt doch oft Dinge, die man durchaus auch anders meint. Warum sollte es ausgerechnet in der Kunst anders sein?»
Über ihnen kreisten Geier. Der Wald war übervoll von Tier- insbesondere von Vogelgeschrei. Krähen, Elstern aber auch exotischere Vögel schrien durcheinander. «Bald wird es dunkel», sagte Lara mit besorgter Stimme. Ihre Handinnenfläche schwitzte in der Hand ihres Begleiters. Sie machte sich von ihm los. «Ja, wir haben uns verlaufen», stellte Basti sachlich fest. Ihm schien das nicht viel auszumachen. Dann würden sie eine Nacht mal nicht in der Psycho-Villa schlafen. Das Ganze roch für ihn nach Abenteuer, und Abenteuer konnten doch nur lustig und spannend werden. «Nadia hat gesagt, wir sollen immer Richtung Westen gehen», betonte Lara, «das haben wir ja auch getan. Die Sonne steht direkt vor uns. Aber wie kommen wir so nach Hause in die Villa?» «Das werden wir schon sehen», antwortete Basti, «wir sollten einfach weiter gehen. Vielleicht treffen wir auch auf Rudi und er kann uns den Weg zurück zeigen.» Lara sah ihn erstaunt und fragend an: «Wer ist jetzt schon wieder Rudi?» fragte sie ungeduldig. «Ich hoffe, dass wir ihn wieder treffen. Dann freunde ich mich mit ihm an. Und vielleicht hat er ja Lust, uns den Rückweg zu zeigen. Und vielleicht kommt er sogar mit uns zurück», sagte Basti ganz begeistert von der Möglichkeit, die sich vor seinem geistigen Auge auftat. «Ich verstehe kein Wort. Wer ist Rudi?» fragte Lara wieder. «Die Hispaniola solenodon, der Schlitzrüssler, den du so erschreckt hast!» brummte Basti.

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