Die Bürokratie quält die Menschen am allerwenigsten mit der Polizei; so frage ich mich, warum in meiner Geschichte der Schwerpunkt so sehr bei Polizei- und Detektivarbeit liegt. Aber vielleicht wird sich die Antwort wie von alleine finden. SOKRATES Teil 149...

Uri Bülbül
Ross hielt sich nicht zurück. Aber Niklas Hardenberg hatte ihm die ganze Zeit in die Augen gesehen und die Absicht des Kommissars wahrscheinlich noch vor dem Grobian selbst erkannt. Aus der Hüfte ließ er seinen Oberkörper zurück fallen, kreisen und nachdem der Schlag ins Leere und mit voller Wucht krachend gegen die Wand gedonnert war, zurück an die Ursprungsposition zurück kommen. Da er keinen Schritt vom Kommissar gewichen war, hatte nun Hardenberg die ideale Schlagdistanz, die er auch unverzüglich ausnutzte. Ross verfiel in die Betrachtung eines nächtlichen Sternenhimmels und kam aus seiner schmerzhaften Romantik erst wieder zu Bewusstsein, als er einen kalten Waschlappen im Gesicht verspürte, das von einem Dampfhammer bearbeitet worden sein musste. «Gehts wieder, Herr Kommissar?» fragte lachend Hardenberg, der ihm den Waschlappen einfach ins Gesicht geschleudert hatte. «Sie sind also der Landbulle, der sein Mittagessen mit Kühen einnimmt?* Wissen Sie eigentlich, dass man Sie sogar schon googlen kann, Sie Schwachmat?» plötzlich war Hardenbergs Stimme sehr ernst und schier so böse wie die eines Vorgesetzten. Ross versuchte auf die Beine zu kommen. Dabei brummte er Flüche und stieß Drohungen aus, die sich nach Justiz und Anzeige anhörten – etwa wie „Widerstand gegen die Staatsgewalt“. In diesem Moment trat Niklas einmal kräftig gegen die Brust des dicken Kommissars, dass er zurück fiel und keine Luft mehr zum Atmen hatte. «Ganz falscher Ton, Dicker!» sagte Niklas streng. «So etwas wie „entschuldigen Sie bitte die Umstände, die ich Ihnen mit meinem Schwächeanfall gemacht habe, soll nicht wieder vorkommen!“ wäre jetzt angebracht!» Ross griff nach seiner Dienstwaffe. Aber sie war weg. Eine zweite männliche Stimme drang in sein Ohr. Er hatte die Orientierung schier gänzlich verloren: «Jetzt nach der Dienstwaffe greifen ist wirklich das Dümmste. Wer hat sie eigentlich ausgebildet, Ross?» «Wer... wer sind Sie?» stammelte er. Hinter ihm stand ein Mann um die Dreißig, groß, kräftig mit hellen Haaren und grünen Augen. «Hermes Psychopompos, Europol!» stellte sich dieser vor. «Sie haben sehr seltsame Manieren, Ross, äußerst seltsame. Und dummerweise machen Sie damit überhaupt keine gute Figur! Sie können sich jetzt eine Woche krank schreiben lassen. Mit dieser Veilchen blauen Gesichtsdeformation würde ich mich nicht im Präsidium sehen lassen. Was für eine Schande!» Nun stand Ross langsam auf, seine Knie waren noch weich, die Beine wacklig. Was für ein Schlag! Ging es ihm durch seinen Brummschädel. «Ja, Hardenberg hat's drauf!» sagte der Typ von Europol, als könnte er Gedanken lesen. «Ross, Sie werden noch disziplinarische Maßnahmen an der Backe haben, wenn Sie so weiter machen!» ermahnte ihn zu allem Überfluss nun Hardenberg. «Was denken Sie sich nur dabei?»
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* http://ask.fm/HeuteBinIch14/answer/107457813871

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