Lara macht sich Sorgen um Basti, der plötzlich verschwunden ist. Hausmeister Frankenstein sitzt im Polizeiauto, Arthur, der Sonderermittler im Gefängnis. Ist Basti irgendwo im Wald plötzlich wieder eingeschlafen und womöglich in den Bassin gefallen? SOKRATES Teil 155...

Uri Bülbül
In der Mitte dieser Gebäude ragte ein kleines Türmchen in die Höhe und erinnerte an ein verwunschenes Schlösschen. Das Gebäude sonst aber wirkte eher wie ein Biedermeier Toilettenhäuschen. Verzweifelt suchte Lara mit den Augen alles in der Gegend ab – auch die Wasseroberfläche. Von Basti aber war nichts zu sehen. Sie rief mehrmals, so laut sie konnte, nach ihm, ohne eine Antwort zu bekommen. Langsam stieg sie den Hügel in Richtung des Bassins hinab. Farn und Sträucher bildeten hier neben den großen Tannen, Eiben und Fichten die Vegetation. Die Eckhäuschen waren Moos bedeckt, die Farbe der Türme alt und abgeblättert. Ein schmutziges dunkles Rosa machte sie in dieser Gegend unwirklich. Vielleicht war das mal der Garten eines untergegangenen Schlosses, den sich der Wald wieder zurück erobert hatte. Lara fiel noch ein großer weißer Felsen auf, der gut und gerne eine Höhe von drei Metern hatte und einen Umfang von sechs bis acht Metern. Vielleicht saß Basti der Schalk im Nacken und er spielte Verstecken mit ihr. «Basti, das ist nicht lustig! Ich will jetzt nicht spielen! Komm raus, wo immer du steckst!» rief sie mit einer leicht bebenden Stimme. Aus einer Eibe flatterte ein Uhu in den Wald. Als Lara auf den Hügel zurück blickte, woher sie das Flattern gehört hatte, glaubte sie einen Frauenschatten zu sehen, der schnell wieder zwischen den Bäumen verschwand. Dieser Schatten ähnelte nicht Nadia. «Ich werde dich nicht suchen» rief Lara in den Wald, um sich dann an den Rand des Bassins zu begeben. Sie wollte unbedingt ins Wasser sehen. Sie hatte das Gefühl, Basti könnte im Becken sein. Aber würde er nicht sofort wieder aufwachen, wenn er ins Wasser fiele und rufen und schwimmen? Lara hatte nichts dergleichen gehört.
Arthur Francis Suthers lag in seiner Zelle auf der Pritsche, starrte mit hinter dem Kopf verschränkten Armen an die Decke und wurde allmählich müde und schläfrig. Kristina Albermann, die jüngste Tochter des Polizeipräsidenten, Martina Albermann, die Frau des Polizeipräsidenten, Herr Doktor Alfons Albermann selbst, der Polizeipräsident, in dessen Obhut man eine Spezialabteilung gegeben hatte, obwohl die Ministerialdirigentin Katja Hardenberg gar nicht viel von Doktor Albermanns Führungsqualitäten hielt; der Herr Staatssekretär wollte es so, der Herr Staatssekretär bekam es so. Allmählich gingen die Dinge in seinem schläfrigen Kopf durcheinander. Viel diskutiert wurde im Ministerium darüber nicht. Und dem Innenminister persönlich war es so ziemlich egal, was das Polizeipräsidium dieses biederen Städtchens trieb oder enthielt. Es gab ganz andere innenpolitische Brennpunkte und heiße Themen. Was bei Herrn Albermann passierte, spielte nun auf der höheren Ebene keine Rolle. Und dennoch hatte Katja Hardenberg den Sonderermittler abkommandiert. Es musste nach dem Rechten gesehen werden und bitte, in Sachen Metzger sei der Ball absolut flach zu halten. Ja, aber so konnte er den Ball überhaupt nicht spielen.

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