SOKRATES des kafkASKen Fortsetzungsromans 156. Teil: Während der Autor dieses Mitmachromans an seinem ThinkPad sitzt und seltsame Fotos postet, unterhält sich sein Alter Ego oder Avatar mit Luisa und Betti in der Psycho-Villa. Aber davon erzählen wir jetzt nicht, sondern ...

Uri Bülbül
Dieser dicke Landbulle hatte ihn außer Gefecht gesetzt. Eigentlich hätte das eine schöne Aufgabe für Arthur @point_man sein können, aber das Wörtchen „eigentlich“ drückte alle Einschränkungen bestens aus, denen er nun erlag. Der Sonderermittler gähnte laut. Seine Lider wurden schwer. Kurz darauf schlief er entspannt, tief und fest. Er selbst war sich natürlich nicht bewusst, dass er eingeschlummert war; erst die Geräusche an der Zellentür, die aufgeschlossen wurde, weckten ihn wieder auf. Er hatte das Gefühl, irgendetwas geträumt zu haben, woran er sich nicht erinnern konnte. Die Traumbilder verwirrten ihn im Vorbeiflug. In der Tür stand neben dem Schließer ein rundlicher Mittvierziger mit dunklen Haaren und braunen Augen. Der Wachbeamte zog sich zurück und schloss die Tür hinter sich ab. «Guten Tag, Herr Suthers, mein Name ist Hardenberg. Ich bin im Auftrag der Rechtsanwaltskanzlei Kolbig und Partner hier. Herr Kolbig hat mich geschickt. Er hat schon Akteneinsicht gefordert und wird sie vertreten, wenn Sie nichts dagegen haben.» «Was?» Arthur Francis Suthers verstand nichts. Er war wieder wach und hatte nur einen Gedanken; wenn sich die Zellentür öffnete, dann um ihn aus der Zelle hinaus in die Welt zu lassen. Nun stand aber dieser schier legendäre Niklas Hardenberg vor ihm und erzählte irgendetwas von einer Kanzlei. «Ich will jetzt nach Hause. Schluss mit dem Blödsinn!» brummte Arthur. Sein Gegenüber schüttelte den Kopf und verzog seine Miene zu einem Bedauern: «Ich fürchte, ich bin gar nicht in der Lage, zu bestimmen, wann Sie nach Hause dürfen. Das haben wir beide gemeinsam.» «Ich will sofort mit meiner Dienststelle telefonieren!», sagte der Sonderermittler. Jetzt war er wach und hatte die Faxen dicke. Seinen Besucher beeindruckte das nicht. «Sie brauchen einen Anwalt. Ein Anwalt steht Ihnen zu und ich bin für die Kanzlei Kolbig & Partner bei Ihnen.» «Aber Sie sind nicht der Anwalt!» stellte Suthers sachlich fest. Nur ganz kurz flog noch ein Traumschatten durch seinen Kopf. «Bevor es juristisch wird, gibt es für Herrn Kolbig noch etwas zu klären. Und in dieser Sache sollte ich schon einmal vorfühlen.» Arthur tat so, als habe er kein besonders großes Interesse an dem, was Hardenberg beschäftigte. «In welcher Sache?» fragte er fast etwas gelangweilt. «Sie sind hier, weil sie die Ermittlungen in Sachen Metzger kontrollieren sollen. Sie haben sich natürlich in diesem Zusammenhang auch über Alfons Albermann schlau gemacht. Sie wollen auch wissen, wie gut und effizient die neu eingerichtete Sonderabteilung des Präsidiums arbeitet – Gedankenkriminalität! Stammt der Ausdruck eigentlich von Ihnen oder Ihrer Chefin? Herr Staatssekretär und Herr Minister wissen nichts davon, sagen sie zumindest.» Arthur schwieg beharrlich. Hardenberg hielt inne und musterte freundlich den Sonderermittler. «Lord Sir Francis Arthur Suthers – englischer Adel in einer deutschen Behörde und nun bald in Untersuchungshaft. Es gibt schon einen Haftbefehl gegen Sie.»

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