SOKRATES Teil 158: Es gibt noch so viele Menschen, Charaktere, Ideen, Profile, die ich in den Roman einschreiben, entwickeln und gestalten will, dass das ganze Dostojewskijsche Ausmaße annimmt. Mit 365 Folgen komme ich nie aus im kafkASKen Fortsetzungsroman ^^

Uri Bülbül
Die Wasseroberfläche spiegelte unbewegt und ohne Wellen Himmel, Bäume und das Mäuerchen, nun auch Lara, die konzentriert versucht hatte, etwas im Wasser zu erkennen. Große Karpfen und kleinere flinke Fische mit roten Flossen konnte sie erkennen. Doch als sie die Stimme hinter sich hörte, stieß Lara einen Schrei vor Schreck aus. Eine zierliche dunkel Haarige Frau mit großen dunklen Augen und einem grauen Kleid stand hinter ihr. «Habe ich dich erschreckt? Wollte ich nicht.» Lara schüttelte beschwichtigend den Kopf, als wäre dies eher eine Nebensächlichkeit. «Du kannst ja Gedanken lesen!» staunte Lara. «Gedanken lesen? Lustig. Wie kommst du denn darauf? Ich heiße übrigens Bellarosa. Du kannst mich auch Bella oder nur Rosa nennen, wie du magst. Ich habe selten Besuch hier. Und du? Wie heißt du?» Die Frau im grauen Kleid ging schon auf die dreißig zu, auch wenn sie etwas sehr Mädchenhaftes an sich und ihren Bewegungen hatte. Ihre Augen strahlten eine tiefe Nachdenklichkeit aus, etwas Melancholisches. Sie sah gerne in Laras Gesicht. Dieses Mädchen hatte sehr viel Lebensfreude in ihren Augen, Neugier, Interesse, Erwartung; aber eine Art von Erwartung, die nicht enttäuscht werden konnte, weil sie nicht bestimmt war und zu wissen glaubte, was kommen musste. Laras erwartungsvoller Blick war offen für die Dinge der Welt, die alles Mögliche sein konnten. Und das fand Bellarosa, wie sie sich vorstellte, äußest sympathisch. Auch Lara fand die Frau, die sie zuerst so erschreckt hatte, sehr sympathisch. «Ich heiße Lara @derherbstinmir.» «Der Herbst in mir», wiederholte nachdenklich die Frau, von der Lara noch nicht genau wusste, wie sie sie nennen würde. Vielleicht konnte das wirklich eine von den beiden Abkürzungen ihres Namens sein. Aber Lara war von beiden Varianten nicht recht überzeugt. Überhaupt schien der Name nicht zu der Frau zu passen. Aber sie wollte plötzlich nicht weiter denken, denn diese Bellarosa konnte Gedanken lesen. «Wie kommst du darauf, dass ich Gedanken lesen kann?» fragte sie. Lara schrie kurz auf, als hätte sie etwas Erstaunliches entdeckt: «Ha, da schon wieder! Du kannst Gedanken lesen!» Bellarosa schüttelte den Kopf: «Du hast laut vor dich hin gesprochen, du hast gesagt: „Hoffentlich ist er nicht plötzlich in seinen narkoleptischen Schlaf gefallen und in den See! Er würde ertrinken!“» Lara staunte: «Das habe ich laut gesprochen? Sag mir, was ich jetzt denke! Sag mir! Du kannst das bestimmt!» Bellarosa schüttelte schmunzelnd den Kopf: «Woher soll ich wissen, was du denkst? Du bist albern! Heißt dein Freund Basti?» Lara nickte. «Und du kannst nicht Gedanken lesen?» «Nein, er hat es mir gesagt – im Vorbeirennen. Er rannte hier den Hügel hinunter und rief: „hallo, ich bin Basti! Bis gleich! Ich komme gleich zu dir!“» «Und dann?» fragte Lara erstaunt. Warum hatte sie das nicht gehört? «Ich glaube, er hat ein interessantes Tier gesehen und ist ihm in den Felsenbunker gefolgt.» «Felsenbunker?»

View more