Luisa Metzger, Betti @liebeanalle und Uri Nachtigall unterhalten sich noch ahnungslos ob der Katastrophe, die mit Johanna passierte über dies und das und jenes und welches im Theater. Wie es da weitergeht, ist noch gar nicht Thema^^ SOKRATES Teil 163:

Uri Bülbül
«Seit wann lebst du hier?» fragte Basti die zierliche Frau mit den dunklen Haaren und dunklen melancholischen Augen. Sie stand in der Küche an der Anrichte, im Ofen brannte warm das Feuer und das Holz knisterte und knackte. Bellarosa schnitt Zwiebeln, Lauch, Möhren. Sie hatte eine große Schüssel mit Kartoffeln vor Lara und Basti gestellt und beiden Schälmesser in die Hand gedrückt. «Ihr könnt gerne bei mir bleiben, mit mir essen, bei mir schlafen und solange hier wohnen, wie ihr wollt. Aber ihr müsst mithelfen!» Ohne Worte hatte Lara das Messer in die Hand genommen und mit dem Kartoffelschälen begonnen. Basti unterhielt sich lieber mit der fremden Frau. Sie hielt inne und überlegte eine Weile, als müsse sie über ihr ganzes Leben vor sich und den anderen Rechenschaft ablegen und wisse nicht genau, womit sie beginnen sollte. «Ja, gute Frage», antwortete sie endlich. «Mir kommt es ziemlich lange vor, als würde ich schon ewig hier leben. Aber ich weiß auch, dass es so nicht sein kann. Aber... wie soll ich es sagen? Ich kann mich an mein Leben zuvor nicht erinnern.» «Das ist ganz schön seltsam», sagte Basti, aber Lara hörte etwas in seiner Stimme, was nicht ganz nach Verwunderung klang. «Dann weißt du also gar nicht, wie du hierher gekommen bist?» «Nein», musste Bellarosa zugeben, «nicht wirklich.» «Und unwirklich?» bohrte Basti, was hätte eigentlich nur eine witzige Formulierung und rhetorische Gegenfrage werden können, was aber aus Bastis Mund seltsamer Weise gar nicht so klang. Basti war ganz und gar ohne Ironie.
«Hast du eigentlich noch regen Kontakt zu Katja?» fragte Leopold Lauster. «Ach, es geht. Wir laufen uns immer mal wieder über den Weg. Katja ist längst nicht mehr so offen zu mir, wie sie früher mal war – selbst nach unserer Trennung. Ich war ja froh, dass es zwischen uns aus war, aber sie suchte immer wieder meine Nähe.» Der Oberstaatsanwalt staunte über die Beredsamkeit seines Bekannten, den er nicht unbedingt zu seinen Freunden zählen wollte. Ihn interessierte nicht die Vergangenheit; er wollte mehr etwas über die Gegenwart erfahren. Stattdessen lenkte dieser Oberschlaumeier ab und driftete scheinbar ins Private. Der Verdacht, dass dieser Niklas Hardenberg irgendetwas verbarg, verdichtete sich in Lauster immer mehr. «Alte Geschichten, sehr alte Geschichten», sagte er, «gibt es denn nichts Neueres und Aufregenderes in deinem Leben, als das, wie es früher mal mit deiner getrennten Frau war?» «Was gibt es Interessanteres und Spannenderes als alte Geschichten? Weißt du? Geschichte ist niemals vergangen. Geschichte ist immer das, was bis in die Gegenwart und darüber hinaus wirkt», dozierte Hardenberg. «Und du suchst als Investigator die Kontinuitäten der Geschichte?» fragte Lauster. Hardenberg grinste verschmitzt: «Ich suche die Sollbruchstellen! Aber im Moment suche ich eigentlich eine vermisste Rechtsanwältin.» «Ach?» staunte der Staatsanwalt.

View more