Wo sind nur Lara und Basti gelandet? Und wird der Oberstaatsanwalt den Sonderermittler wirklich im Gefängnis behalten können? SOKRATES Teil 164:

Uri Bülbül
«Welche Kollegin wird denn vermisst?» «Ayleen Heersold. Sie arbeitet in der Kanzlei Kolbig und Partner. Ihr Chef vermisst sie. Sie hat ein paar wichtige Gerichtstermine nicht wahrgenommen und ist einfach nicht aufzutreiben.» Der Oberstaatsanwalt lachte gereizt: «Ich kenne Ayleen Heersold. Ich bin ihr letztens im Präsidium begegnet. Sie vermisste selbst jemanden...» «Im Umkreis eures Präsidiums werden ganz schön viele Leute vermisst, finde ich», stichelte Niklas Hardenberg. «Überhaupt passieren zu viele seltsame Dinge in eurem Milieu.» «Was heißt hier „unser Milieu“?» konterte Lauster fragend. Dann wagte er eine thematische Punktlandung: «Sag mal, kann es sein, dass jemand im Ministerium uns auf dem Kieker hat?» «Euch? Du gehörst doch nicht wirklich zu diesem Polizeisumpf! Du bist Staatsanwalt, du gehörst zur Justiz.» «Und die Polizei gehört nicht zur Justiz?» fragte Lauster herausfordernd. Niklas Hardenberg spitzte den Mund, wog den Kopf hin und her und sagte dann: «Nun ja, du bist zwar der Chef der Ermittlungen, aber ich habe dich mehr bei der Judikativen gesehen als bei der Exekutiven.» «Nett von dir! Aber weich mir nicht aus! Was hat Katja denn nun gegen unser Präsidium?» Aber mit dieser Frage hatte der Staatsanwalt dem gewieften Investigator eine Fluchttür eröffnet: «Das weiß ich nicht, mein Lieber. Genau das versuche ich dir ja zu erklären. Ich habe keinen intensiven Kontakt mehr zu meiner Ex. Ich bin auch nicht in ihrer Mission unterwegs, sondern im Auftrag der Kanzlei Kolbig & Partner. Du müsstest eigentlich deine Frage an Suthers richten. Er ist im Auftrag des Ministeriums bei euch. Und was macht ihr? Ihr sperrt ihn erst einmal ein! Aber damit muss sich wohl der Haftrichter auseinander setzen.» Er sah sich suchend um, bis seine Blicke die Kellnerin erfassten, um ihr ein Zeichen zu geben. Maria trat lächelnd an ihren Tisch.
«Wirklich nicht und unwirklich auch nicht!» versetzte Bellarosa greizt. Lara versuchte zu vermitteln: «Das ist nur so eine Redewendung. Man sagt „nicht wirklich“, meint es aber nicht so.» Basti lachte: «Man sagt „nicht wirklich“ und meint es nicht wirklich, stimmt's? Aber unwirklich ist doch etwas anderes!» Die beiden Frauen tauschten bedeutungsvolle Blicke aus. Dann sagte die Gastgeberin: «Ja, so kann man es ausdrücken. Und was machen die Kartoffeln? Sie sehen vor dir, Basti, nicht wirklich geschält aus!» Basti störte das nicht. «Hast du keine Familie? Keine Freunde?» «Es kommen nicht viele Menschen hier vorbei. Aber die hiesigen Tiere sind meine Freunde. Der weiße Tiger, der kleine Wolf, Trick und Track, die beiden Katzen. Ja, das sind meine Freunde.» Jetzt war Basti ganz erstaunt und aufgeregt: «Du hast einen weißen Tiger zum Freund?!» «Ja, habe ich.» Lara sah sowohl Basti als auch ihre Gastgeberin mit großen strahlenden Augen an: «Und „Bellarosa“ ist dein wirklicher Name?» fragte sie. «Oder ist das so etwas wie ein Nickname für Waldfeen?»

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