Wann wird Poesie zu Kitsch? Gibt es dafür einen objektiven Maßstab? Heute werde ich es nicht herausfinden. Tatsache ist: Philomena-Kekse schimmern blau und schmecken wie sie schimmern :) SOKRATES Teil 166 für @Phinaphilo

Uri Bülbül
Rudi hatte sich Basti zu Füßen gelegt und schlummerte wie ein kleiner Hund. «Hier habe ich Rudi als Freund gewonnen.» Als er seinen Namen hörte, wackelte er kurz mit den Ohren. Nun schälte auch Basti kräftig Kartoffeln, als wollte er damit seinen Willen ausdrücken, bei Bellarosa bleiben zu wollen, und als müsste er dafür unter Beweis stellen, dass er sich sehr gut nützlich machen konnte. Lara schmerzte diese Haltung. Sie warf sehnsüchtig einen Blick zum Fenster. «Am liebsten würde ich heute Nacht schon zurück!» «Du kämst nicht weit und flögst womöglich in den See oder in irgendein Loch.» «Aber was sollen wir jetzt nur machen», jammerte Lara. «Wir machen jetzt das Abendessen», sagte die Gastgeberin und holte eine große, tiefe, runde Stahlemaille-Pfanne mit zwei Griffen aus dem Schrank. «Darin braten wir unser Gemüse und kochen Reis dazu. Das wird lecker. Deiner Mutter wird durch die Sorgen, die sie sich vielleicht um dich macht, nichts passieren. Sorgen sind weitaus ungefährlicher als der nächtliche Gang durch den Wald.» Damit schloss Bellarosa die Diskussion um Laras Wunsch ab.Basti mochte es, dass es sowohl Reis als auch Kartoffeln gab. Nach dem Abendessen räumten sie gemeinsam den Tisch ab, erledigten den Abwasch, unterhielten sich dabei über Gott und die Welt, bis Bellarosa ihnen einen Kräutertee gekocht und blau schimmernde runde Kekse aufgetischt hatte. «Kommt! Wir können noch ein paar Kekse essen und Kräutertee trinken. Die Kräuter dazu habe ich selbst gesammelt», verkündete sie stolz. «Und die Kekse habe ich selbst gebacken. Das Rezept dazu aber habe ich von meiner Freundin Philomena, weswegen diese Kekse auch Philomena-Kekse heißen.» «Wo wohnt deine Freundin? Wo ist sie jetzt?» wollte Basti sofort wissen. Bellarosa schenkte allen erst einmal Tee ein und stellte einen Topf Honig auf den Tisch. Dann sah sie versonnen und nachdenklich vor sich hin, während Basti einen Keks nahm, um ihn in mehrere Teile zu brechen. Ein Stück gab er dem Spaltrüssler Rudi, der wie ein braver Hund ihm zu Füßen lag. Er roch appetitlos an dem Keks und rührte ihn weiter nicht an. «Oh Rudi, du bist wirklich ein Feinschmecker!» rief Basti. Dann hob er den Keks wieder auf und träufelte mit dem Löffel Honig darauf. Als er den Keks wieder Rudi vor die Nase hielt, schnupperte der Spaltrüssler aufgeregt daran und fraß den Keks gierig auf. «Das muss ja lecker sein! Komm, da bekommst du gleich noch ein Stück», sagte Basti und gab Rudi noch etwas von seinem Keks ab. Bellarosa schien Bastis Treiben gar nicht wahrzunehmen. Ihre Gedanken kreisten noch immer um diese eine eigentlich schier zum Verrücktwerden einfache Frage, die Basti gestellt hatte, worauf sie aber keine Antwort fand. «Philomena, wo bist du nur abgeblieben? Wann haben wir uns aus den Augen verloren? Und warum nur?» murmelte sie vor sich hin, als wollte sie ein Gebet aufsagen. Lara bemerkte, wie sehr Bellarosa darunter litt, keine Antwort auf Bastis Frage nach Philomena zu haben.

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